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So hebelt man Öffnungsperspektiven durch Krankenhausschließungen einfach aus

Demnach wollen Bund und Länder Öffnungsperspektiven entwickeln “für den Moment, zu dem eine Überlastung des Gesundheitssystems ausgeschlossen werden kann.” Wann das sein könnte und welche Kriterien ausschlaggebend sind, wird nicht erwähnt.

Quelle: Tagesschau: Bund-Länder-Gipfel: Das sind die neuen Corona-Beschlüsse

Bereits in der Grippe-Welle 2017/2018 waren die ersten Krankenhäuser überlastet, wie im Artikel “Grippewelle in Deutschland: „So viel hatten wir noch nie“” zu lesen ist, der vor vier Jahren bei der Zeitung Die Welt veröffentlicht wurde.

Mitten in der Corona-Pandemie schließt man dann zwei Jahre später die Lungenfachklinik Borstel weil sie nicht mehr rentabel ist. Nun sollen in den nächsten Jahren, weitere Krankenhäuser geschlossen werden, wie hier berichtet wird: Neustrukturierung in Niedersachsen: Bis zu 40 Kliniken droht Schließung

Da klingt es dann nur noch wie Hohn wenn Politiker sich hinstellen und ganz frech sagen, dass Öffnungsperspektiven für den Moment beschlossen werden, wenn eine Überlastung der Krankenhäuser ausgeschlossen werden kann.
Wie soll eine solche Überlastung jemals ausgeschlossen werden können wenn man die Krankenhäuser reihenweise schließt? Sobald die Anzahl der Krankenhäuser soweit reduziert wurde, dass die verbleibenden Einrichtungen durch eine hohe Auslastung möglichst wirtschaftlich rentabel sind, was ja der Sinn der Schließungen sein wird, sind in Zeiten mit etwas mehr Patienten als dem kalkulierten Bedarf immer zu wenig Betten vorhanden, denn wenn alle Betten belegt sind und die Rendite dadurch maximiert ist, würde bereits ein einziger zusätzlicher Patient zu einer Überlastung führen. Es droht in einem auf Rendite getrimmten System also immer eine Überlastung, da Krankenhäuser nur bei maximaler Auslastung maximal rentabel sind. Jedes einzelne nicht genutzte Bett und jeder Arzt oder Pfleger, der nur gelangweilt herumsteht, verursacht Kosten und bringt keine Einnahmen und sollte somit vermieden werden.
Die Bettenzahl kann sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht am denkbaren Maximalbedarf orientieren, sondern bestenfalls am Durchschnitt. Wirtschaftliche betriebene Krankenhäuser arbeiten theoretisch immer am Limit kurz vor der Überlassung. Die von den Politikern verordneten Maßnahmen dürften damit in einem solchen Gesundheitsystem, wie es das Ziel der Optimierungen durch Schließungen sein wird, überhaupt nicht mehr aufgehoben werden.


Anmerkung:

Interessant und vorausschauend ist übrigens ein vier Jahre alter Kommentar des Lesers Christoph B. zum oben zitierten Artikel “Grippewelle in Deutschland: „So viel hatten wir noch nie“”:

Christoph B.
Nun, ich bin Krankenpfleger und muss gestehen, dass wir schon zu normalen Zeiten am Limit arbeiten. Die derzeitige Grippesaison ist noch nicht mal wirklich dramatisch, bringt uns aber schon an den Rand der Leistungsfähigkeit. Überfüllte Stationen, selber Ausfall von 30 Prozent des Pflegepersonals. Sollte hier in D wirklich einmal etwas dramatisches passieren, werden die Verantwortlichen Tausende Tote zu verantworten haben.

Die dramatische Lage im Gesundheitssystem ist demnach scheinbar seit Jahren bewusst in Kauf genommen worden um die Gewinne zu optimieren. Und nun sollen die Probleme im Gesundheitssystem durch massenweise Impfungen der gesamten Bevölkerung kompensiert werden. Doch kann Menschen, die in der Vergangenheit das Gesundheitssystem gegen die Wand gefahren haben, überhaupt vertrauen dass sie jetzt nur die Gesundheit der Menschen im Blick haben und die Impfungen nach bestem Wissen und gewissen empfohlen und vielleicht bald verpflichtend werden?