Berichte

Die Lungenfachklinik Borstel schließt zum Ende des Jahres

Angesichts einer durch die Omikron-Variante drohenden fünften Corona-Welle haben Behörden und Unternehmen der kritischen Infrastruktur nun damit begonnen, ihre Notfallpläne zu reaktivieren, wie die “Potsdamer neuesten Nachrichten” berichtete.

Die Hamburger Morgenpost schreibt im Beitrag “Angst vor Omikron: So bereiten sich Hamburgs Katastrophenschützer vor”, dass Angesichts der stark steigenden Infektionszahlen bei der Omikron-Variante der Expertenrat der Bundesregierung am Wochenende tagt, um eine Einschätzung der derzeitigen Lage abgeben zu können. Und die sieht düster aus – sofortiges Handeln ist den Experten zufolge geboten. Jetzt bereiten sich Hamburgs Katastrophenschützer vor – auf „ein Szenario, das alles bislang Dagewesene in den Schatten stellen könnte“.

Beim NDR ist zu lesen, dass der Hamburger Senat am Dienstag strengere Corona-Regeln für Hamburg beschlossen hat, darunter Kontaktbeschränkungen auch für Geimpfte und Genesene. Die Maßnahmen sollen am 24. Dezember in Kraft treten.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Dr. Janosch Dahmen glaubt, dass man um Schließungen nicht herumkomme – und auch nicht um eine Impfpflicht, wenn die Impfquote nicht gesteigert werde, wie die Tagesschau berichtete.

Steht in Anbetracht der drohenden medizinischen Katastrophe also der nächste Lockdown mit geschlossenen Schulen, Läden und Restaurants vor der Tür? Was meint Herr Dahmen mit “Schließungen”?

Meint er vielleicht die Schließung der nahe Hamburg liegende medizinischen Lungenfachklinik Borstel? Diese soll nämlich zum Jahresende nicht mehr weiter betrieben werden, wie einer Pressemitteilung zu entnehmen ist:

Die Medizinische Klinik Borstel des Leibniz Lungenzentrums kann aufgrund ihrer Größe und den gesundheitspolitischen und -ökonomischen Rahmenbedingungen zur Krankenversorgung in Deutschland am Standort Borstel nicht ohne erhebliche wirtschaftliche Verluste betrieben werden. Infolge der angestrebten Zentralisierungen der Krankenhauslandschaft in Deutschland teilt die Medizinische Klinik in Borstel ihr Schicksal mit vielen anderen kleinen Kliniken: Sie ist in der Zukunft nicht überlebensfähig und die finanzielle Sicherstellung einer optimalen Patientenversorgung ist nicht mehr möglich. Diese fehlende Rentabilität war der maßgebliche Grund, warum die Gespräche mit potentiellen Betreibern in der Vergangenheit ohne Ergebnis blieben.

Quelle: FZ-Borstel: Die Medizinische Klinik Borstel schließt zum Ende des Jahres

Während die Politiker mahnen, dass die Krankenhäuser vor dem Kollaps stehen und Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Klinikum Hamburg-Eppendorf erzählt, dass die Auslastung bewirkt, dass einige Patienten nicht mehr optimal behandelt würden und von “latenter Triage” spricht, wird eines von zwei zertifizierten Krankenhäusern zur Entwöhnung von Beatmungsmaschinen und Zentrum für Infektiologie und für seltene Lungenerkrankungen in Schleswig-Holstein geschlossen.
Im ganzen Land wird aus Angst vor einer Überlastung der Krankenhäuser die Wirtschaft durch Zwangsmaßnahmen zur Eindämmung der respiratorischen Erkrankung durch Corona-Viren zerstört … und gleichzeitig wird eine Klinik für Lungen- und Infektionskrankheiten aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen.
Das Pflegepersonal ist freigestellt und darf zudem auch nicht woanders arbeiten, wenn die Pflegekräfte nicht auf die Entschädigungen aus dem Sozialplan verzichten möchten, wie das Hamburger Abendblatt berichtete. Das muss man sich einmal in Ruhe zu Gemüte führen. Das Pflegepersonal darf nicht arbeiten, um die Entschädigungen nicht zu verlieren. Schreibt doch der Georg Thieme Verlag: Seit Längerem ist auch politisch klar, dass in der Pflege Personalnotstand herrscht. CoViD-19 verschärft die Lage und öffnet damit quasi „die Büchse der Pandora“.
inmitten einer Corona-Krise mit einem massiven Pflege-Notstand werden Pflegekräfte motiviert, nicht zu arbeiten, anstatt sie für ihre wertvolle Leistung halt ein paar Monate doppelt zu bezahlen.

Wie kann es sein, dass eine Lungenfachklinik in Deutschland nicht rentabel betrieben werden kann, während angeblich ein Horror-Szenario naht – Hamburg am „Rande der Triage“, schrieb 24Hamburg noch vor wenigen Monaten.

Was die Verfügbarkeit von Intensivbetten angeht, melden derzeit gleich mehrere Krankenhäuser in Hamburg, dass sie ausgelastet sind. Für das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf und das BG Klinikum Hamburg trifft dies im Bereich „Low Care“ (Beatmung im Intensivbett mit Beatmungsmaske) zu, für die Schön-Klinik in Eilbek und das Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand im Bereich „High Care“ (Behandlungsmöglichkeit mit Beatmungsgerät) und für die Asklepios Klinik Nord und das Marienkrankenhaus gilt dies im Bereich „ECMO“ (Behandlung mit Herz-Lungen-Maschine).

Quelle: 24Hamburg: Corona-Intensivbetten: Horror-Szenario naht – Hamburg am „Rande der Triage“

Und wieso sieht man die Menschen in der “sozialen Verantwortung” sich impfen zu lassen (und dies alle paar Monate ohne Aussicht auf ein Ende) um eine Überlastung der Krankenhäuser abzuwenden, während es seitens der Krankenhäuser keine soziale Verantwortung gibt, diese auch dann zu betreiben, wenn es nicht wirtschaftlich ist? Wird hier an die soziale Verantwortung der Menschen appelliert, während gleichzeitig die wirtschaftlichen Interessen der medizinischen Unternehmen im Vordergrund stehen? Ernsthaft? Die Süddeutsche Zeitung schrieb “Jeder Covid-Kranke ist einer zu viel: Alle sind gefordert, dem Virus keine Chance zu geben, indem sie Kontakte reduzieren – gerade auch an Weihnachten.”. Restaurants, Kinos, Theater und viele mehr können also Pleite gehen, schließlich geht es um die Rettung jedes einzelnem Menschen. Da spielen wirtschaftliche Erwägungen keine Rolle. Beschränkungen ungeahnter Ausmaße und sogar Knallhart-Lockdowns erscheinen der Politik gerechtfertigt. Die hinter den Läden und Restaurants stehenden Existenzen spielen keine Rolle. Aber ein Krankenhaus das seltsamerweise nicht rentabel ist, während es in Zeiten der Pandemie eigentlich überfüllt sein müsste, kann ganz nebenbei aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. Eine soziale Verantwortung sieht man hier seitens der Politik scheinbar nicht.
Offensichtlich ist es für die amtierenden Politiker viel einfacher, alle Menschen drei oder vier Mal im Jahr zu einer Impfung zu “motivieren” und zu glauben und zu hoffen, dass dadurch eine Überlastung des Gesundheitssystems abgewendet werden kann, als Rahmenbedingungen für den wirtschaftlichen Betrieb einer möglichst dezentralen modernen medizinischen Infrastruktur zu schaffen.