Berichte

Hungerstreik zur Rettung des Klimas

In Berlin versuchen junge Menschen die derzeitigen Kanzlerkandidaten dazu zu bringen, mit ihnen über den Schutz der Umwelt zu reden.Um ihr Ziel zu erreichen, wollen sie nichts mehr essen, bis Laschet, Scholz und Baerbock sich zu einem Gespräch mit ihnen treffen.

»Wir benutzen ein letztes Mittel, das bisher, in der gesamten Geschichte, nur Menschen benutzt haben, die kurz vorm Sterben waren oder wirklich nicht mehr wussten, was sie machen sollten. Die so verzweifelt waren, dass sie zum Krassesten greifen mussten. Wir befinden uns in einem unbefristeten Hungerstreik, den wir nur beenden, wenn die da«, sie zeigt in Richtung Bundestag, »ein ehrliches Gespräch mit uns führen.«

Quele: Spiegel: Sie wollen nichts mehr essen. Bis Laschet, Scholz und Baerbock mit ihnen reden

Zunächst stellt sich die Frage, ob ein Erpressungsversuch das Mittel der Wahl sein sollte. Wenn ein Politiker hier nachgibt und sich auf ein Gespräch einlässt, macht er damit deutlich, dass es ein Kinderspiel ist, ihn zu erpressen und zu Verhandlungen zu zwingen.

Abgesehen davon, ist fraglich, ob diese genannten deutschen Politiker die richtigen Ansprechpartner sind, wenn es um Fragen der Zukunft der gesamten Welt geht. Fragen zum Klimawandel und zur Nachhaltigkeit werden beispielsweise eher bei Veranstaltungen wie den Bilderberg-Konferenzen erörtert. So auch 2019, als das Thema “Climate Change and Sustainability” als dritter Punkt auf der Agenda stand.
Alternativ könnte das World Economic Forum (WEF) ein Anlaufpunkt sein. Auch hier macht man sich Gedanken zum Klimawandel.
Einfluss auf die Politik nimmt das WEF auch über Einrichtungen, wie die Young Global Leaders. Dort könnte man also auch mal anfragen, wie es um den Umweltschutz bestellt ist.
Diese Veranstaltungen haben allerdings alle eine Gemeinsamkeit. Sind sind zwar nicht wirklich geheim, finden aber hinter verschlossenen Türen statt. In den Zeitungen wird man über die Inhalte der Gespräche und die Ergebnisse daher wenig lesen. Die Chance, mitsprechen zu können oder eine eigene Meinung einfließen lassen zu dürfen, werden “normale” Menschen eher nicht erhalten. Hinter diesen Organisationen stehen reiche und einflussreiche Menschen wie Klaus Schwab, die folglich eher die Ziele des Finanzsystems vertreten. Wer im Privatjet zur Klimarettung reist, wird wohl kaum auf die Vorstellung einiger Jugendlicher hören, die drohen sich umzubringen, wenn nicht nach ihrer Pfeife getanzt wird. Das Verhalten vermittelt ein wenig den Eindruck, als würde man einem ausgebildeten Einzelkämpfer drohen “wenn du dich nicht sofort ergibst, dann schieße ich mir selbst ins Knie”.

Zudem möchten die jungen Leute “ein ehrliches Gespräch” mit den Politikern führen. Dies wird knifflig, da den Aktivisten scheinbar ein grundlegendes Verständnis über ein ganz wesentliches Thema fehlt: dem Geldsystem.

“Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh”, meinte der Autopionier Henry Ford.

Ein mangelndes Verständnis über das Geldsystem ist die Basis unserer Wirtschaft und den Einfluss auf die Umwelt. Die Politiker werden folglich kaum ein Interesse an einem ehrlichen Gespräch haben.

So werden Politiker beispielsweise nicht gerne darüber reden, dass Geld bei Geschäftsbanken durch eine sogenannte Bilanzverlängerung bei der Kreditvergabe entsteht. Normalerweise wird im Rahmen einer Kreditvergabe also nicht das Geld verliehen, das bei der Bank durch Spareinlagen vorhanden ist, sondern es wird neues Geld geschaffen. Die Geldmenge steigt bei einer Kreditvergabe also an. Dieses neu geschaffene Geld muss irgendwann zuzüglich anfallender Zinsen zurückgezahlt werden. Die Zinsen werden bei der Kreditvergabe jedoch regelmäßig nicht mitgeschöpft. Sie müssen also entweder aus dem vorhandenen Geld gedeckt werden, was die verfügbare Geldmenge dann reduziert, oder durch neue zinsbasierte Kredite umgeschuldet werden. Es wird schnell deutlich, dass Geldvermögen und Schulden langfristig automatisch immer weiter steigen müssen.
Wer dies jetzt für eine Verschwörungstheorie hält, zeigt damit deutlich, dass er das Geldsystem nicht verstanden hat, obwohl er jeden Tag mit Geld in Berührung kommt. Seine Verwunderung ist somit nicht auf eine abstruse Verschwörung zurückzuführen, sondern auf seine Unkenntnis. Dagegen hilft Bildung. Hierzu kann man auf vertrauenswürdige Quellen zurückgreifen, beispielsweise auf Publikation der Deutschen Bundesbank.

Tatsächlich wird bei der Kreditvergabe durch eine Bank stets zusätzliches Buchgeld geschaffen. Die weitverbreitete Vorstellung, dass eine Bank „auch altes, schon früher geschöpftes Buchgeld, z. B. Spareinlagen, weiterreichen“ (könne), wodurch die volkswirtschaftliche Geldmenge nicht erhöht wird, trifft nicht zu.

Eine Erfahrung aus dem Alltag zeigt auch, dass jemand, der kein Vermögen besitzt, nicht automatisch immer reicher wird. Wer nichts hat, muss sein Einkommen aus dem bestreiten, was er persönlich leisten kann. Dem sind natürlich enge Grenzen gesetzt, so dass ein mittels eigener Arbeitskraft realisierbares Einkommen sehr begrenzt ist. Durch ehrliche Arbeit wird man also nur in den seltensten Fällen reich.
Anders sieht es bei den Menschen aus, die bereits viel besitzen. Der Besitz von Geld oder Produktionsmittel nach der marxistischen Wirtschaftstheorie (Ländereien, Maschinen, Fabriken und Arbeiter) ermöglichen dem Besitzer ein leistungsloses Einkommen zu erzielen. Leistungslos ist natürlich nicht ganz zutreffend. Der Besitzer muss keine Leistung erbringen. Schuldner und Arbeiter hingegen müssen sehr viel leisten und neben ihrem eigenen Unterhalt auch die Einkünfte und Gewinne des Besitzers der Vermögen zu erarbeiten. Im Gegensatz zur eigenen Arbeitskraft kann die Leistung eines Unternehmens oder Konzerns immer weiter gesteigert werden und damit auch der Gewinn für den Besitzer immer größer werden. Wer viel hat, kann somit ohne große eigene Anstrengung immer reicher werden. Das Geld fließt also automatisch von den armen arbeitenden Menschen zu den vermögenden nicht zwangsläufig arbeitenden Menschen. Bis zu einem gewissen Grad ist dies auch vertretbar und stellt kein Problem dar.

Verknüpft man nun aber das Wissen über die Geldschöpfung mit dem Wissen über die Umverteilung des Geldes von den Fleißigen zu den Reichen, kann man sich durchaus sorgen machen. Es geht hier nicht um eine Neiddebatte. Das Augenmerk soll lediglich darauf gerichtet werden, dass in diesem System keine Bremse eingebaut ist. Und so wird aus einem vernünftigen System ein gigantischer Umverteilungsmechanismus, der sich selbstständig immer mehr beschleunigt. Je mehr Geld zu denen fließt, die bereits jetzt viel mehr haben, als sie jemals ausgeben könnten, um so höher werden deren Ansprüche auf noch mehr Geld. Das Geld fehlt dann den übrigen Menschen, die selbst nicht genug zum Leben haben. und obwohl viele Menschen auf diesem Planeten kaum genug Geld zum Leben haben, müssen sie dennoch ihren Teil dazu beitragen, die ständig wachsenden Ansprüche der Ultrareichen zu befriedigen. Die Armen werden also immer schneller immer ärmer, während die Reichen unvorstellbare vermöge anhäufen. Das in der Wirtschaft fehlende Geld muss durch neue Kredite geschöpft werden und so dreht sich die Spirale immer weiter. Auf der einen Seite wachsen die Schulden und auf der anderen Seite die Vermögen.

Nun kommen wir zur Problematik der Umweltzerstörung. Kredite werden nur vergeben, wenn man Sicherheiten bieten kann. Ein Kredit muss also erarbeitet werden. Dies geht mit dem Verbrauch von Energie und Ressourcen und der Zerstörung der Umwelt einher. Eine nachhaltige Wirtschaft, die einfach nur dazu dienen würde, den Menschen ein angenehmes Leben zu ermöglichen, wäre durchaus denkbar und realisierbar. Hierfür bietet dieser wunderbare Planet gewiss genug Ressourcen. Ein durch das Zinssystem vorgegebenen grenzenloses exponentielles Wachstum ist jedoch völlig unmöglich.
Um nun also die Umwelt zu schonen, müsste die Menschheit auf ein Geld- und Wirtschaftssystem setzen, dass dieses grenzenlose Wachstum verhindert. Natürlich sollen Menschen dennoch die Möglichkeit haben, wohlhabender zu sein als andere. Wer mehr leistet, hat auch ein Anspruch auf eine höhere Belohnung. Aber die völlige Entkopplung des Einkommens von der eigenen Leistungsfähigkeit führt automatisch zur Zerstörung der Umwelt durch den Zwang zum grenzenlosen exponentiellen Wachstum.

Allerdings reden nicht arme Reisbauern hinter verschlossenen Türen über die Zukunft der Welt, sonder diejenigen, die sich auf der anderen Seite der Einkommensskala befinden. Die werden sich aber gewiss nicht den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Priorität wird immer die Steigerung des Vermögens haben. Jede Aktion, die unternommen wird, wird diesem Ziel irgendwie dienen. Man wird lediglich versuchen, dem Gewinnstreben einen grünen ökologisch wirkenden Anstrich zu geben. Die Kosten dafür wird man auf die armen arbeitenden Menschen abwälzen. Ironischerweise werden dann durch die Umweltschuttmaßnahmen sogar letztendlich die Reichen noch reicher und die zerstörerische Umverteilung geht weiter. Warum? Ganz einfach: Wenn zum Schutz der Umwelt beispielsweise neue Dämm-Maßnahmen beschlossen werden verteuert sich der Hausbau auch für Normalverdiener und das Geld wird wieder zu denen fließen, die bereits viel besitzen, also beispielsweise zu den Eigentümern der Fabriken für Solaranlagen.
Die Maßnahmen zum Umweltschutz ändern nichts an der Grundproblematik des Wachstumszwanges. Und wenn Politiker nun gesetzlich eine CO2-Steuer beschließen, aber am Zwang immer mehr Energie zu verbrauchen nichts ändern, dann ist das so als wollte man einen mit Vollgas gefahrenen Auto bremsen, indem man einen höheren Preis an die Zapfsäule schreibt. Das Auto wird dadurch nicht langsamer. Das Fahrzeug wurde nur langsamer, wenn der Fahrer den Fuß vom Gas nehmen würde. Dies jedoch darf er in diesem System nicht, das durch den Wachstumszwang immer weiter beschleunigt werden muss. Das Fahrzeug wird somit trotz höherem Spritpreis immer schneller. Der einzige Unterschied ist, dass die Kosten steigen. Den armen Menschen fehlt das Geld dann an anderer Stelle und die Reichen zahlen die Zusatzkosten aus der Portotasche (oder werden sogar von den Kosten ausgenommen).

Die Organisatoren der Bilderberg-Treffen oder des WEF dürften sich dieser Zusammenhänge bewusst sein. Die Volksvertreter werden die Zusammenhänge hingegen entweder nicht verstehen oder sie können nicht ehrlich darüber sprechen. Offenheit gegenüber den Wählern und Steuerzahlern wird den Politikern ja bereits durch die Teilnahmebedingungen an den genannten Veranstaltungen untersagt. Die Menschen, die dieses Finanz- und Wirtschaftssystem vertreten und eine öffentliche Diskussion darüber nach allen Regeln der Kunst verhindern, nehmen ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf, dass in manchen Teilen der Welt alle paar Sekunden ein Kind verhungert. Es wäre genug Geld für alle Menschen da und es kann genug Essen produziert werden. Sowohl Geld als auch Essen sind jedoch völlig ungleichmäßig verteilt und die Ungleichheit nimmt ständig zu, wie wir gesehen haben. Diejenigen, welche die Macht hätten, eine öffentliche Diskussion darüber anzustoßen, haben es bislang nicht getan. Sie nehmen eher in Kauf, dass jeden Tag tausende Kinder verhungern. Warum sollten sie dann mit ein paar Jugendlichen reden, nur damit diese nicht freiwillig verhungern? Aus Mitgefühl? Anstand? Ehre?