Berichte

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt

Stellen wir uns im Folgenden doch einmal eine Wasserquelle vor, die zwar nicht unerschöpflich ist, die aber so viel Wasser liefern kann, dass kein Mensch jemals Durst leiden oder gar verdursten müsste. Wenn sich nun jeder Mensch an der Quelle bedient und so viel Wasser nimmt, wie er trinken möchte und kann, dann wird es keine Probleme geben.

Stellen wir uns weiter vor, dass es die Regel gibt, dass zwar jeder von der Quelle trinken darf, er das Wasser aber erst einen Kilometer durch die Wüste tragen muss. Am Ende des Weges steht zudem ein großer Tank, der viele Milliarden Liter Wasser fassen kann. Jeder Mensch, der sich an der Quelle einen kleinen 5-Liter-Kanister für den Eigenbedarf abgefüllt hat, muss nun 2 Liter davon in den großen Tank kippen. Wenn Milliarden Menschen einen Teil des Wassers in den Tank kippen, wird er irgendwann überlaufen, da der Besitzer des Tanks überhaupt nicht so schnell so viel Wasser trinken kann, wie nachgefüllt wird. Verrückt, oder?

Es geht aber noch weiter. Die Regel besagt nämlich, dass jedes Jahr mehr Wasser abgegeben muss. Irgendwann müssen von den 5 Litern dann 3 und später 4 Liter abgegeben werden. Und sollte jemand auf dem Beschwerlichen Weg Durst bekommen, dann geht das Wasser von seinen Anteil ab, den er mit nach Hause nehmen dürfte.
Ein paar Jahre später genügt es aber nicht mehr, nur 4 der 5 Liter abzugeben. Irgendwann müssen die Menschen die kompletten 5 Liter abgeben, die sie der Quelle entnommen haben. Es steht den Menschen aber frei, einen größeren Kanister zu besorgen und 7, 8 oder gleich 10 Liter zu schleppen, wenn sie die Kraft dafür haben. Dann bleibt nach der Abgabe der geforderten 5 Liter noch etwas übrig.

Das spiel kann so lange weitergehen, bis die Menschen unter der Last des Wassers, das sie schleppen müssen, um zumindest einen kleinen Teil selbst konsumieren zu können, zusammenbrechen, während der gigantisch große Tank schon lange überläuft und das kostbare Wasser ungenutzt in der Erde versickert.

Lange vor diesem Punkt sollten die Menschen sich organisieren und Regeln aufstellen, welche eine einigermaßen faire Verteilung des Wassers sicherstellen. Natürlich wird es immer Menschen geben, die mehr Wasser aus eigener Kraft tragen können und sich damit vielleicht sogar einen Swimmingpool füllen können, während andere gerade genug Wasser tragen können, dass sie sich eine kleine Badewanne füllen können. Und einige Menschen werden aus gesundheitlichen Gründen auf die Hilfe ihrer Mitmenschen beim Tragen des Wassers angewiesen sein. Aber im großen und ganzen sollte jeder Mensch genug Wasser für ein angenehmes Leben haben. Außerdem muss keine Kraft verschwendet werden, um ein gigantisch großes Fass eines einzelnen mächtigen Menschen zu füllen bis es überläuft um dann ständig noch weiter Wasser hineinzukippen. Dies wäre eine völlig unnötige Verschwendung kostbarer Ressourcen.

Ein einzelner Mensch kann keine Regeln aufstellen, an dies sich jeder andere Mensch auf der gesamten Welt halten muss. Es ist unabdingbar, dass sich Vertreter der Menschen zusammensetzen und verbindliche Regeln gemeinsam aushandeln. Dies ist die Aufgabe der Politiker. Wenn die Politiker eine gute Arbeit im Sinne der Allgemeinheit und der Umwelt leisten, dann gelingt es ihnen, sich auf Regeln einer fairen und nachhaltigen Wasserwirtschaft zu einigen und mittels Polizei und Justiz die Einhaltung der Regeln durchzusetzen.
Wenn die Politiker jedoch unfähig, kriminell oder korrupt sind, dann werden sich hingegen Regeln durchsetzen, die dafür sorgen, dass alle Menschen immer schneller das Fass des vermögenden und mächtigen Herrschers befüllen müssen. Immer schneller werden kostbare Ressourcen verschwendet ohne dass es einen erkennbaren Nutzen hat. Das Wasser, dass eigentlich den Durst vieler Menschen löschen könnte, versichert ja schon lange ungenutzt in der Erde.
Immer mehr Menschen werden unter der Last zusammenbrechen. Über “Sozialhilfeprogramme” kann noch eine Weile dafür gesorgt werden, dass die stärkeren Menschen Wasser für die schwächeren Menschen mitbringen müssen so dass auch schwächeren Menschen nicht sofort verdursten. Ein Großteil der Menschheit wird dann aber zu wenig Wasser zum Leben aber zu viel zum Sterben haben, während der Tank beständig weiter überläuft. Die Politiker müssen die Menschen also über die Medien geschickt so manipulieren, dass sie glauben, sie seien selbst schuld daran, dass sie dursten müssen, weil sie einfach nicht hart genug arbeiten. Und um den Eigenverbrauch zu senken, damit mehr Wasser zum Füllen des Fasses verfügbar ist, werden die Politiker den Menschen immer häufiger ein schlechtes Gewissen einreden. Wer sich nach harter Arbeit ein zweites Glas Wasser einschenkt gilt dann als unsozial oder als Ressourcenverschwender. Außerdem kann seitens der Politik auch der Druck auf die Menschen durch Strafandrohungen und Einschüchterung immer weiter erhöhen, so dass die Motivation zum Wassertransport nicht nachlässt. Alle paar Jahre dürfen die Menschen großzügigerweise dann demokratisch selbst die nächsten Politiker wählen, welche die notwendigen Verschärfungen der Regeln in den folgenden Jahre durchsetzen werden. Das kommt dann einfach besser an, als eine Diktatur.

Früher oder später muss aber der Punkt kommen, an dem das System zusammenbricht. Entweder sind dann fast alle Menschen verdurstet, weil das gesamte Wasser einer einzigen Person gehört oder die Menschheit wird sich in brutalen Kriegen um die letzten Tropfen Wasser abschlachten.

Dem geneigten Leser ist es möglicherweise bereits aufgefallen. Das Wort “Wasser” steht eigentlich für das Wort “Geld” und das Wort “Fass” bezeichnet die “Kapitalsammelbecken”der Ultrareichen, die durch Zins und Zinseszins automatisch leistungslos immer vermögender werden, während immer mehr Menschen trotz harter Arbeit nicht genug Geld zum Leben haben. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Nicht, weil es ein Naturgesetz ist, sondern weil die Regeln, nach denen wir alle leben es so vorgeben. Die Verschwendung von Ressourcen und die Zerstörung der Umwelt sind dabei zwingende Nebenwirkungen. Anstatt diese Zusammenhänge aber zu thematisieren und die Regeln anzupassen, zwingen die gewählten Volksvertreter jedoch leider die Menschen dazu, immer härter zu arbeiten und machen sie dann wie zum Hohn auch noch dafür verantwortlich, wenn sie auf dem Weg zur Arbeit Ressource verbrauchen oder dicht getränkt in der Touristenklasse einmal im Jahr in den Urlaub fliegen und dabei die Umwelt schädigen, während sich die Ultrareichen ungeachtet Yachten, Hubschrauber und eigene Flugzeuge kaufen, in gigantischen Villen residieren und Nachmittagsausflüge mit Raketen ins Weltall planen.

Eine echte Wahl haben wir nicht. Dieses System wird so lange weiter durchgezogen, bis es mit Gewalt zusammenbricht, anstatt rechtzeitig eine friedliche Neuordnung anzustreben. Dafür sorgt schon eine gewisse Negativauslese. Es kommen häufig nicht die Menschen in Führungspositionen, zu deren Kernkompetenzen Empathie (Einfühlungsvermögen) und Sachverstand gehören, sondern diejenigen, die ihre Seele verkaufen würden, um auch ein bisschen Macht und Einfluss zu erhalten. Immerhin leben wir hier in einem “demokratischen Rechtsstaat”, der zumindest soweit besteht, dass man solche Überlegungen aufschreiben und veröffentlichen kann. In einigen Ländern dieser Welt würde darauf möglicherweise die Todesstrafe stehen. Die Menschheit ist im Gesamten offensichtlich intellektuell, geistig und moralisch noch nicht sehr weit entwickelt und hat noch einen weiten und beschwerlichen Weg vor sich.