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Bundesregierung will Energietransporten auf der Schiene Vorrang einräumen

Damit weiter Kohle in Kraftwerke und Öl in Raffinerien kommt, will die Bundesregierung Energietransporten auf der Schiene sechs Monate lang Vorrang einräumen, wie die Tagesschau berichtete.

Dies kann bedeuten, dass die ohnehin auf der Schiene stattfindenden Kohletransporte Vorrang vor anderen Zügen, wie zum Beispiel ICEs oder dem Regionalverkehr erhalten. Dadurch wird ein grundlegendes Problem des Schienennetzes in Deutschland offensichtlich, über das ich bereits im Beitrag “Deutsche Bahn auf dem Abstellgleis” geschrieben habe. Personen- und Güterverkehr teilen sich die selben Gleise. Ein Problem stellen hierbei die unterschiedlichen Geschwindigkeiten dar. Personenzüge sind meist schneller als Güterzüge, halten aber oft an. Güterzüge fahren langsamer, bremsen aber nicht in jedem Bahnhof. Das führt zu Konflikten. Und wenn der Güterverkehr zur Vermeidung solcher Konflikte hauptsächlich nachts rollt, um den Personenverkehr möglichst nicht zu beeinträchtigen, dann sind die Schienen zwar zu jeder Zeit genutzt, was den Betriebswirtschaftler freuen wird, aber notwendige Reparatur- und Wartungsarbeiten können weder tagsüber, noch in der Nacht durchgeführt werden ohne den Betrieb zu stören. Arbeiten am Tag beeinträchtigen den Personenverkehr. Arbeiten in der Nacht beeinträchtigen den Güterverkehr.

Wenn dem Güterverkehr nun Vorrang vor dem Personenverkehr eingeräumt wird, dann wird der in Deutschland ohnehin schon unzuverlässige Personenverkehr noch schlechter. Die Fahrten dauern länger und Anschlüsse werden noch häufiger verpasst. Ein Dilemma in welches Politik und Wirtschaft uns auch mit dem Abbau der Bahnstrecken zur Kostenoptimierung hineinmanövriert haben, wodurch die Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit, im Schienenverkehr auf ein Minimum reduziert wurde. Dies ist eine der vielen negativen Folgen des zinsbasierten Geldsystems, welches zwingend zu einer Umverteilung des Geldes von fleißig nach Reich führt. Für wichtige Investitionen, wie Bildungseinrichtungen, soziale Einrichtungen, Infrastruktur und Energieversorgung bleibt dann naheliegenderweise immer weniger Geld übrig.

Die Tagesschau schreibt weiter, dass Güterzüge vor Personenzügen Vorrang erhalten. Dann nämlich, wenn sie Kohle, Gas, Öl oder Trafos geladen haben – also alles, was Kraftwerke und Fabriken am Laufen hält. Wegen der niedrigen Pegelstände am Rhein kommt dort die Fracht kaum noch durch.

Es geht also nicht darum, den bereits fahrenden Güterzügen Vorrang zu gewähren, sondern zusätzliche Fracht, welche aufgrund der niedrigen Pegelstände nicht mehr per Schiff transportiert werden kann, auf die Schienen zu verlagern. Hier wird sofort ein weiteres Problem offensichtlich, über welches Prof. Dr. Christian Rieck bereits in seinem Youtube-Beitrag “Zu wenig Gas-Tankschiffe, zu viele Autos: Freiheit durch Überkapazität” eine aufschlussreiche spieletheoretische Analyse veröffentlicht hat. Zusammengefasst kann man sagen, dass die Reservekapazitäten bei den Tankschiffen gering sein müssen, damit die Reedereien wirtschaftlich arbeiten können.
Dies dürfte ebenso auf den Güterverkehr bei der Bahn zutreffen. Auch dort werden die Reservekapazitäten an Schüttgutwagen, Tankwagen und sonstigen Güterwagen sehr begrenzt sein. Möchte man also die mittels Flussschiffahrt transportierte Fracht, wie etwa Kohle für die Kraftwerke auf die Schiene verlegen, stehen überhaupt nicht genug ungenutzte Wagen zur Verfügung. Mittlerweile hat sich diese Erkenntnis offensichtlich auch herumgesprochen und so titelt das Handelsblatt: “Rhein-Pegel sinkt immer tiefer: Bahn fällt als Retterin bei Lieferengpässen aus”. Die Logistiker haben schlicht keine Waggons übrig, um Ladungen von Binnenschiffen zu transportieren.

Auch hier stellt man sich die Frage, wie inkompetent die Berater der Bundesregierung wohl sein mögen, wenn sie diese Zusammenhänge nicht vorab erkannt haben. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen hin und wieder mal einen Vortrag von Christian Rieck anhören.