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Was ein Gasembargo gegen Russland bedeuten würde

Mit Sprüchen wie “Frieren für den Frieden” versucht man die Menschen in Deutschland darauf einzustimmen, den Gashahn etwas zuzudrehen, um weniger Gas aus Russland importieren zu müssen, nachdem die russische Regierung die Ukraine rechtswidrig angegriffen hat. Auch die Petition ” Sofortprogramm für energetische Unabhängigkeit von Russland und Stärkung der Mobilitätswende” zielt darauf ab.

Ein Verzicht auf Gas, Öl und andere Produkte wird der russischen Regierung allerdings keinen nennenswerten Schaden zufügen. Andere Abnehmer werden schon darauf warten, mit Gas und Öl aus Russland beliefert zu werden. Russland exportiert dann Gas und Öl mittelfristig in andere Länder, welche die Rohstoffe gerne billig kaufen und wir müssen Gas und Öl dann teuer von anderen “Schurkenstaaten” kaufen, welche Begriffe wie Menschenrechte oder Umweltschutz ebenso nicht kennen oder selbst unzählige illegale Angriffskriege zu verantworten haben.
Außerdem kann die russische Regierung den Krieg auch über Kredite finanzieren.
Natürlich ist es sinnvoll, diesen kriminellen und illegalen Angriffskrieg nicht zu unterstützen, auch wenn der Verzicht auf russische Produkte letztendlich nichts bring. So wie es auch aus ethischen, moralischen und Umweltschutzgründen sinnvoll ist, kein Fleisch mehr zu konsumieren und sich vegetarisch oder noch besser vegan zu ernähren, auch wenn man als Einzelner dadurch wenig erreicht.

Ob sich die Lieferketten und Strukturen für den Transport nach Deutschland aber so kurzfristig anpassen lassen, ist überaus zweifelhaft. Vermutlich werden wir mit massiven Versorgungsengpässe bis hin zu längeren Ausfällen zu rechnen haben. Ich kenne niemanden persönlich, der im Ernstfall auf wochenlange Strom-, Gas- und Wasserausfälle vorbereitet ist. Wer von einer funktionierenden Stromversorgung abhängig ist, wie etwa Dialysepatienten oder Patienten auf Intensivstationen, wird schon dier erste Woche nicht überleben. Und die meisten anderen werden bald darauf verhungern und vor allem verdursten oder im Winter einfach erfrieren.
Die inkompetenten Politiker, beziehungsweise politischen Funktionäre, hatten viele Jahre lang Zeit, auf eine robuste umweltfreundliche Versorgung hinzuarbeiten und sind krachend gescheitert. In wenigen Monaten wird ein solches Unterfangen gewiss nicht gelingen.
Abgesehen davon haben wir weiterhin ein Finanz- und Wirtschaftsystem, welches durch Zins und Zinseszins ein grenzenloses exponentielles Wirtschaftswachstum mit entsprechenden Energie- und Ressourcenverbrauch erzwingt. So lange dieses System nicht endlich zur Diskussion steht, sind alle Maßnahmen nur kosmetischer Natur und Augenwischerei. Leider haben die meisten Menschen die Funktionsweise des Geldsystems überhaupt nicht verstanden und gehen demnach bei ihren Überlegungen hinsichtlich Umweltschutz und Wirtschaft von völlig falschen Annahmen aus.
Wie sonst ist es zu erklären, dass es völlig selbstverständlich ist, dass es Menschen gibt, die ohne arbeiten zu müssen rund um die Uhr fast 4.000 Dollar Einnahmen pro Sekunde (!) haben und sich Luxusyachten, Privatflugzeug und Hubschrauber kaufen oder mal eben nachmittags für ein paar Minuten ins Weltall fliegen, während hart arbeitende Menschen von ihrem Lohn kaum leben können und ihnen Vorwürfe als Umweltsünder gemacht werden, wenn sie mit einem alten Auto am Sonntag mit der Familie einen Ausflug zur Erholung in die Berge machen oder Freunde besuchen?

Umweltschutz ist gewiss ein ganz wichtiges und zentrales Thema und unser gesamtes Handeln sollte daran gemessen werden, wie nachhaltig es ist. Ziel sollte es aber sein, schädliche Strukturen, Technologien und Verhaltensweisen durch bessere zu ersetzen. Insbesondere muss der Zwang zum grenzenlosen exponentiellen Wachstum beendet werden, indem ein besseres Finanzsystem etabliert wird. Davon ist aber keine Rede. Stattdessen bilden sich immer radikalere Gruppen, welche die alten Technologien abschaffen wollen, jedoch keine Alternativen schaffen.
So blockiert beispielsweise eine Gruppe, die sich “die letzte Generation” nennt, Autobahnen oder dreht Pipelines ab.
Eine besonders radikale und gewalttätige Gruppe plante sogar Anschläge auf Umspannwerke und Stromleitungen. Hierfür wollten sie sogar Minen und andere Kriegswaffen kaufen, wie der SWR berichtete.

Es ist damit zu rechnen, dass in absehbarer Zukunft Gas und Öl aus Russland durch die Regierung boykottiert wird. Wir werden also Alternativen brauchen oder schlicht und einfach verhungern und erfrieren. Geplant ist, dass das Gas irgendwann in flüssiger Form mittels Schiffen geliefert werden soll. Dadurch wäre man nicht auf Lieferanten beschränkt, die über Pipelines liefern. Abgesehen davon, dass weder die Transportkapazitäten noch die Verladekapazitäten auch nur ansatzweise ausreichen, werden schon Stimmen von der “Umwelthilfe” laut, welche die LNG-Terminals verhindern will.

Auf der einen Seite formieren sich also mitunter auffällig extremistische Gruppen, welche die bestehende Infrastruktur zerstören wollen, auf der anderen Seite versuchen Gruppen den Bau neuer Infrastruktur zur Versorgung der Menschen in Deutschland zu verhindern. Die Versorgungsnetze sind ohnehin sehr fragil und zudem stark belastet. Die Betreiber müssen immer häufiger steuernd eingreifen, um die Versorgung aufrecht zu erhalten. Unter diesen Bedingungen ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis eine zuverlässige Versorgung nicht mehr gewährleistet werden kann.

Es gibt Leute, wie etwa der deutsche Ökonom Rüdiger Bachmann, die leidenschaftlich für ein Gas-Embargo gegen Russland eintreten. Bachmann und seine Kollegen gehen davon aus, dass infolge eines Importstopps für russisches Gas die Wirtschaft innerhalb von zwölf Monaten „nur“ um 2,0 bis 2,5 Prozent zur bisherigen Prognose schrumpfen würde. Rüdiger Bachmann geht davon aus, dass alles ein bisschen teurer wird und manche vielleicht arbeitslos werden. Hier könnte dann der Sozialstaat einspringen.
Leider leben die Ökonomen augenscheinlich in einer Fantasiewelt aus theoretischen Konstrukten und wirklichkeitsfremden Modellen. In der Theorie ist praktisch alles möglich. In der Praxis jedoch ist theoretisch vieles nicht möglich. Die Argumentation dieser Ökonomen ist auf dem Niveau, als würde man sagen, wenn ich 10 Prozent von einem Bus abschraube, dann fährt er halt 10 Prozent langsamer. Damit kann man auch noch leben. Sie blenden dabei jedoch völlig aus, dass ein Bus nicht zehn Prozent langsamer fährt, wenn man beispielsweise die Räder abschraubt. Der Bus fährt ohne Räder überhaupt nicht mehr! Und davon sind dann viele Menschen betroffen, die nicht mehr zur Arbeit kommen. Das betrifft dann wiederum weitere Menschen, welche die Arbeitsleistung benötigen würden. Das kann man dann lange weiterführen. Kleine Ursache, große Wirkung. Manche Praxis ist eben doch der Alptraum ihrer Theorie, wie Peter E. Schumacher (1941 – 2013), Aphorismensammler und Publizist, einst sagte.
Auch auf den ersten Blick recht kleine Eingriffe können fatale Konsequenzen haben. Stefan Spiegelsperger hat in seinem YouTube-Kanal Outdoor Chiemgau mit Prof. Dr. Christian Rieck durchgerechnet, was es bedeuten würde, wenn Deutschland kurzfristig auf russisches Gas verzichten würde. Sollte dieser Fall eintreten, dann wird es nicht um ein bisschen Komfortverlust gehen, sondern um unsere Existenz.

Gasembargo Russland nachgerechnet – nur Komfortverlust oder Untergang?

Im Prinzip wird es dann nicht mehr möglich sein, den Bedarf an Gas zu decken. Die Industrie wird in weiten Teilen zugrunde gehen. Wir werden die Wohnungen nicht mehr ausreichend beheizen können. Es wird dann im Winter nicht nur kälter, sondern auch schimmliger. Bei der Stromversorgung sind wir für die flexiblen Gaskraftwerke zum Ausgleich von Schwankungen ebenfalls auf eine ausreichende Gasversorgung angewiesen. Die Stromversorgung wird also auch nicht mehr durchgehend gewährleistet sein. Die Versorgung mit Lebensmitteln wird problematisch werden. In solchen Zeiten wird es dann vielleicht auch zu Unruhen und Plünderungen kommen. Zumindest in Großstädten und sozialen Brennpunkten könnte das Leben sehr ungemütlich werden. Die Behörden, die schon in “normalen” Zeiten häufig sagen “da können wir nichts machen” oder “dafür sind wir nicht zuständig”, wenn man sich hilfesuchend an sie wendet, werden dann völlig überfordert sein.