Berichte

Politikdarsteller

Ein Schauspieler muss keine Polizeiausbildung durchlaufen haben, um die Rolle eines Kriminalhauptkommissars zu spielen. Ein Schauspieler muss niemals einen Brand bekämpft oder schwerverletzte Unfallopfer aus einem Fahrzeug befreit haben, um einen Feuerwehrmann zu spielen. Schauspieler können bei Bedarf auch die Rolle eines Lehrers übernehmen, ohne jemals an einer echten Schule unterrichtet zu haben. Schauspieler müssen keine Erfahrung mit der Rolle haben, die sie gerade spielen. Sie müssen lediglich in ein gewisses Profil passen, um glaubwürdig zu sein. Ein Schauspieler, der einen Lehrer darstellt darf nicht zu jung sein und ein 90-jähriger wird kaum glaubwürdig einen Feuerwehrmann im Einsatz darstellen können. Das heißt natürlich nicht, dass jeder, der die körperlichen Voraussetzungen erfüllt, Schauspieler sein kann. Wer diese Arbeit machen will, muss auch eine gewiss nicht leichte Ausbildung durchlaufen und beispielsweise Sprechtechniken, Bühnenkampf, Improvisation und das Rollenstudium lernen. Aber ein Schauspieler muss eben keine Ausbildung und auch keine Berufserfahrung in der Rolle haben, die er gerade verkörpert.

Auch Politiker können ganz schnell eine Rolle übernehmen echte praktische Erfahrung mit der Thematik zu haben. Ursula von der Leyen konnte deshalb problemlos die Rolle der Verteidigungsministerin spielen, ohne jemals einen Tag bei der Bundeswehr gedient zu haben. Davor war sie eine Zeit lang Familienministerin und und auch Arbeitsministerin. Mittlerweile ist sie Präsidentin der Europäischen Kommission und hat dort wieder völlig andere Schwerpunkte.
Politiker müssen in erster Linie Schauspieler sein, die eine Rolle spielen. Je nach “Höhe” des Amtes, das sie darstellen, müssen sie zuvor eine entsprechend umfangreiche Auslese durchlaufen haben. Menschen, welche das zinsbasierte Schuldgeldsystem und die negativen Folgen für die Umwelt durch den Zwang des grenzenlosen exponentiellen Wachstums öffentlich kritisieren und diskutieren, werden gewiss kein Finanzminister. Da es in der Politik mehr um die hohe Kunst des Schauspiels geht, als ehrliche und aufrichtige Überzeugung, kann folglich auch bei einer Partei, die sich den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben hat, ein Politiker Finanzminister werden. So wird bei den Grünen darüber nachgedacht, in einer Koalition ab 2021 das Finanzministerium zu beanspruchen. Ein “grüner” Finanzminister wird dann aber gewiss nicht Himmel und Hölle in Bewegung setzten, um die Menschen über die zerstörerischen Mechanismen des heutigen Geldsystems aufzuklären. Er wird, wie auch die bisherigen Finanzminister, das System weiter am laufen halten. Es wird für den “grünen” Politiker keine Rolle spielen dass die Natur und die Umwelt dabei auf der Strecke bleiben muss.

Wer sich nun darüber wundert, wie dass das heutige Geldsystem mit der Ausbeutung der Ressourcen zusammenhängt und warum ein Politiker einer Partei, die für eine gesunde, vielfältige und lebenswerte Umwelt ist, dieses System demnach grundsätzlich kritisieren müsste, der kann die Grundlagen hierzu in zwei Veröffentlichungen der Wissensmanufaktur nachlesen:

Steuerboykott: Zusammenfassung des Geldsystems und seiner Folgern und mögliche Auswege.

Plan B: Lösungsvorschläge anstatt innerhalb des bestehenden Finanzsystems über Wachstum und Schulden zu diskutieren. Fließendes Geld, soziales Bodenrecht, bedingungsloses Grundeinkommen und eine freie Presse ergeben im Verbund eine echte Alternative.

Umweltschutz und ein zinsbasiertes Geldsystem schließen sich aus. Der Zwang zum grenzenlosen Wachstum geht immer mit der Verschwendung von Ressourcen einher, denn Wachstum ist nur mit dem Einsatz von Energie und Rohstoffen realisierbar. Wenn ein Politiker nun sowohl den Umweltschutz als auch den Erhalt des Geldsystems als Ziel hat, wird er damit unausweichlich in Konflikte geraten, die er nur lösen kann, wenn er entweder den Einsatz für die Umwelt aufgibt oder das Geldsystem grundsätzlich in Frage stellt.
Nun kann ein “grüner” Politiker aber kaum öffentlich kundtun, dass der Umweltschutz für ihn keine Rolle spielt. Er müsste also zwangsläufig das Geldsystem in Frage stellen. Ich bin mir aber sicher, dass auch ein “grüner” Politiker keine echten nachhaltigen Alternativen zum Schuldgeldsystem zur Diskussion stellen wird. Er wird weiterhin das bestehende System ohne Rücksicht auf die Umwelt verteidigen und unterstützen. Für einen informierten und aufrichtigen Menschen, der sich einer Sache ehrlich annehmen und tatsächlich etwas zum Besseren wenden möchte, mag ein solches Verhalten, dass zu einer massiven kognitive Dissonanz führen muss, kaum erträglich sein. Auch bei einem Politiker wird dieser sich widersprechende Zustand zwischen erzwungener Zerstörung der Umwelt durch das Geldsystem auf der einen Seite und dem Schutz der Umwelt im Parteiprogramm auf der anderen Seite zu mentalen Dissonanzen führen. Und auch das Gehirn des Politikers wird zu möglichen Lösungsstrategien greifen:

  • Abwerten der Alternativen,
  • Rechtfertigen des Verhaltens,
  • Verhaltensänderung.
Die Aufrichtigste Lösung wäre natürlich eine Verhaltensänderung, also entweder zuzugeben, dass der Umweltschutz für ihn persönlich eine untergeordnete Rolle spielt oder das Geldsystem grundlegende kritisieren. Dem Politiker, der eine Rolle spielt und weder den Umweltschutz als unbedeutend erklären darf noch das Geldsystem in Frage stellen kann, bleiben nur die Möglichkeiten der “Abwerten der Alternativen” und der “Rechtfertigen des Verhaltens”.

An diesem einen Beispiel ist zu sehen, in welchem Dilemma Politiker stecken. Ein Politiker wird also wie auch ein Schauspieler immer eine Rolle spielen müssen. Seine persönlichen Einstellungen zu einer Thematik ist dabei bestenfalls von untergeordneter Bedeutung. Wer in der Politik weiterkommen will, wird viele Entscheidungen treffen müssen, die er mit Anstand und Ehre kaum in Einklang bringen kann. Wenn es darum geht, sich zwischen dem “richtigen” und dem “falschen” zu entscheiden, muss er die Wahl zu Gunsten der Intentionen derer treffen, die ihn politisch weiterbringen können. Ein Politiker muss also immer die Rolle spielen, die ihm von den Menschen zugedacht wird, welche mehr Macht und Einfluss haben, als er selbst. “Querulanten”, die sich ernsthaft für den Umweltschutz einsetzen und sich auch nicht scheuen, dafür das Geldsystem zur Diskussion zu stellen, werden gewiss nicht in eine Position des Finanzministers gebracht. Politiker müssen also eine gewisse charakterliche Negativauslese durchlaufen und Vorgaben umsetzen. Nur diejenigen, die am besten angepasst sind, werden in der Politik Bestand haben. In gewisser Weise sind Politiker somit Schauspieler, die eine Rolle ausfüllen. Dies kann gestern die Rolle des Familienministers gewesen sein, heute die Rolle des Verteidigungsministers und morgen die Rolle des Finanzministers. Wichtig ist nicht die fachliche Kompetenz auf dem jeweiligen Gebiet, sondern die Fähigkeit der Schauspielerei. So können auch Politiker, von denen man bislang wenig gehört hat, plötzlich in ein “hohes” Amt gesetzt werden. Sie müssen sich dieses Amt nicht erarbeiten, in dem sie dem Staatsvolk als Souverän über Jahre Hinweg ihre Fähigkeiten und Kompetenzen beweisen oder mit Publikationen, Blog-Beiträgen oder Video-Podcasts ihre Intentionen und persönlichen ehrlichen Einstellungen zeigen, um sich für ein bestimmtes Amt als würdig zu erweisen. Es genügt, wenn sie eine gewisse Rolle gut spielen können. Aus diesem Grund kann man auch von Politikdarstellern sprechen.