Onlinehandel soll zur Erhaltung der Innenstädte eine Paketabgabe zahlen

Die Unionsfraktion im Bundestag plant laut einem Zeitungsbericht, „den Onlinehandel mit einer Steuer auf Pakete zur Unterstützung der in der Coronakrise leidenden Innenstädte heranzuziehen“, wie der Spiegel schreibt.

Das ist wieder einmal typisch für deutsche Politiker. Seit langer Zeit verfallen und verwahrlosen die Innenstädte, ohne dass es jemand interessiert. Innenstädte sind oft schmutzig und lieblos gestaltet. Schöne Orte, an denen man sich treffen und verweilen kann gibt es in den deutschen Innenstädten eher weniger. Große Bäume, die im Sommer Schatten spenden, attraktive Grünanlagen und saubere Sitzgelegenheiten sind auch eher selten. Eine gut ausgebaute sanitäre Infrastruktur mit sauberen Toiletten wird auch nicht mehr bereitgestellt. Dazu wird es immer schwerer Innenstadtbereiche überhaupt zu erreichen. Wenn ausreichend Parkplätze vorhanden sind, dann sind diese häufig teuer. Der öffentliche Nahverkehr ist unzuverlässig und ebenfalls teuer, wenn man spontan fahren möchte und Einzelkarten kaufen muss. Dafür steht man dann an schmutzigen Bahnhöfen und hofft, dass der nächste Zug nur wieder zu spät kommt und nicht ganz ausfällt.

Unter diesen Bedingungen bereiten Besuche in der Innenstadt keine große Freude. Innenstädte werden viele Menschen somit nur noch besuchen, wenn sie dort etwas erledigen müssen oder ohnehin in der Nähe sind. Leider ist aber auch der Service in den Geschäften häufig eher schlecht als recht. Eine gute Auswahl an Waren und Kompetenz und Flexibilität der Verkäufer bei individuellen Kundenwünschen sind eher die Ausnahme als die Regel. Ein-Euro-Shops, Handyläden, Fast-Food-„Restaurants“ und Döner-Imbisse prägen das triste Bild.
Parallel hätte man eine Online-Infrastruktur ähnlich Amazons Market-Place aufbauen können, an der sich jeder Händler beteiligen kann. Gegebenenfalls in Form von Projekten an Hochschulen. Dadurch hätten Händler ohne umfassende IT-Kenntnisse ihre Ware auch im Internet verkaufen können und wären in Krisenzeiten robuster aufgestellt. Stattdessen werden die Gesetze immer umfassender und komplizierter. Wer ins Online-Geschäft einsteigen möchte, steht bildlich gesprochen direkt mit einem Beim im Gefängnis. In Deutschland haben traditionelle Ladenbesitzer kaum eine Chance neben den alltäglichen Herausforderungen auch noch ins Online-Geschäft einzusteigen. Das schaffen nur große Ketten.

Nachdem man in Deutschland bezüglich des Handels im Mittelalter stehen geblieben ist und zugesehen hat, wie große amerikanische Konzerne und chinesische Anbieter (die hier kaum Steuern auf ihre Gewinne zahlen müssen) die Märkte übernehmen, wird nun über die Ungerechtigkeit gejammert und die Bürger sollen die Verfehlungen der letzten Jahrzehnte mit jeder Online-Bestellung bezahlen. Mit diesem Geld wird aber gewiss keine bessere und schönere Infrastruktur in den Innenstädten ausgebaut. Und das Geld wird wohl auch nicht genutzt, um den herkömmlichen altmodischen Handel endlich zu modernisieren oder das Steuerrecht und andere Gesetze so zu reformieren, dass sie praxistauglicher und verständlicher werden. Es wird alles so rückständig bleiben, wie es ist, nur dass die Produkte zukünftig teurer werden. In der Parallelwelt der Politiker heißt es dann „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“.


Subjektive Impressionen aus Deutschland:




Subjektive Impressionen aus anderen Ländern: