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German Way of Life: Vom Tellerwäscher zum Bettler

Sich von ganz unten aus eigener Kraft hocharbeiten, dürfte der Traum vieler Menschen sein. Der klassische amerikanische Traum: Vom Tellerwäscher zum Millionär. Zumindest in Deutschland wird dies für nahezu alle Menschen aber nur ein Traum bleiben. Klein in ein Geschäft einzusteigen und dann allmählich zu wachsen, ist kaum möglich. In Deutschland muss man vom ersten Tag an das ganz große Rad drehen … oder man lässt es besser gleich bleiben.

Es geht gleich mit ordentlich viel Papierkram los. Wer Geld auf ehrliche Art und Weise verdienen will, der muss ersteinmal das Gewerbeamt kontaktieren und die Tätigkeit anzeigen. Dort wird dann entschieden, ob es sich aus gewerberechtlicher Sicht um ein Gewerbe oder um eine sogenannten freien Beruf handelt. Das Gewerbeamt teilt dies dann dem Finanzamt mit. Dort wird dann eine Einordnung aus steuerrechtlicher Sicht getroffen. Dabei kann das Finanzamt die Tätigkeit als gewerblich oder freiberuflich / selbstständig einordnen. Die entsprechenden Begriffe sind sehr ähnlich und doch handelt es sich um völlig unterschiedliche Einstufungen. Auch wenn das Finanzamt sich an der Einordnung des Gewerbeamtes orientieren dürfte, so kann es dennoch eine gänzlich andere Einordnung festlegen. So kann jemand, der aus Sicht des Finanzamtes ein Freiberufler ist, für das Gewerbeamt ein Gewerbe führen und umgekehrt.

Das ist der Einstieg in den bürokratischen Dschungel des puren Grauens. Je nach Einstufung sind unzählige Anforderungen, Regeln und Vorgaben zu beachten. Für das Unternehmen muss dann zudem auch noch eine Rechtsform festgelegt werden.

Und dann geht es auch schon mit dem Bezahlen los und hier wird es schnell heftig. Zunächst einmal wird man je nach Einstufung eine Versicherung bei einer Krankenkasse abschließen müssen. Das ist bitter für Menschen, die bisher beispielsweise beim Ehepartner mitversichert sein konnten. Diejenigen können dann damit rechnen, anstelle der 0 Euro bisher, zukünftig Ausgaben von etwa 300 bis 400 Euro im Monat zu haben. Die Leistung bleibt gleich, die Kosten gehen hoch. Das Geld muss man auch dann aufbringen, wenn man mal überhaupt keine Einnahmen hat. Da kann man ganzschön ins Grübeln kommen, wenn alleine an die Krankenkasse mehr bezahlen soll, als man überhaupt an Einnahmen hat. Passend dazu hat die TK im aktuellen Werbe-Magazin stehen, dass Grübeln in schweren Zeiten keine Probleme löst und man stattdessen besser meditieren soll. Also: Bei der nächsten Beitragsrechnung der Krankenkasse nicht verzweifelt grübeln, sondern entspannt meditieren. Ommmmm …
Hinzu kommen noch weitere Versicherungen, wie etwa eine Betriebshaftpflichtversicherung, eine Betriebetriebsrechtschutzversicherung oder einer Betriebsunfallversicherung. Optional sind auch noch eine Rentenversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Außerdem muss man sich um gegebenenfalls vorgeschriebene Mitgliedschaften, beispielsweise bei der Industrie-und Handelskammer kümmern, die auch kostenpflichtig sein wird, wobei dies vom Gewinn abhängig ist. Die GEZ, Pardon der ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice wird eventuell auch gleich die Hand aufhalten. Immerhin machen sie einem mit dem exquisiten Rundfunkprogramm ein Angebot, das man nicht ablehnen kann und dann einmal für seinen Haushalt und einmal für sein Unternehmen bezahlt. Doppelt hält besser. Das Geld ist aber gut angelegt, die Intendanten investieren die Zwangsgebühren gerne in bequeme Massagesessel. Ommmmm …

Das Einkommen ist dann natürlich auch direkt zu versteuern. Einkommenssteuer, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer sind hier die wichtigsten Steuern, mit denen man sich sehr intensiv befassen sollte. Welche Steuern man zahlen muss und ob etwa bei der Umsatzsteuer beispielsweise das Reverse-Charge-Verfahren Anwendung findet, hängt von vielen Faktoren im jeweiligen Einzelfall einer konkreten Einnahme ab.
Steuererklärungen müssen gegebenenfalls monatlich abgegeben werden und dabei sollte man sehr pünktlich sein, andernfalls wird eventuell ganz schnell und ohne Vorwarnung das Konto gesperrt und man steht dum da. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird man hinsichtlich der Besteuerung die teuren Dienstleistungen eines Steuerberaters in Anspruch nehmen müssen, was die Kosten weiter in die Höhe treibt. Ommmmm …

Um nicht den Überblick über die beachtlichen Ausgaben und eventuell auch die vielleicht nur spärlichen Einnahmen zu verlieren, wird man in irgend einer Weise Buchführen müssen. Eine Excel-Tabelle wird häufig vorgeschlagen, aber das ist nur eine sehr rudimentäre Lösung und vielleicht sollte man sich ohnehin gleich an eine ordentliche doppelte Buchführung gewöhnen. Hierfür gibt es teure Programme, welche die gesetzlichen Anforderungen erfüllen sollten. Alternativ kann man als Einsteiger mit geringen Umsätzen und Gewinnen auch GnuCASH verwenden. Es ist nicht leicht, einen geeigneten Kontenrahmen zu erstellen und die Buchungen mit Interimskonten und allem Pipapo sind kompliziert, aber man gewinnt einen Eindruck, was einen erwartet, wenn man irgendwann zur doppelten Buchführung verpflichtet wird. Ommmmm …

Für die Arbeit benötigt man eventuell noch Werkzeuge, Räume, Computer, Telefone und viele weitere Dinge. Eventuell sind auch Linzenzkosten zu bezahlen. Ommmmm …

Einnahmen hat man bislang vielleicht noch keine, dafür beachtliche Kosten und Risiken und natürlich einen hohen Aufwand. Wenn man jetzt noch die Nerven dazu hat, kann man sich ein bisschen um sein eigentliches Geschäft kümmern. Viel Zeit wird aber nicht bleiben, weil dann schon wieder die Buchhaltung zu erledigen oder die nächste Umsatzsteuervoranmeldung vorzubereiten ist. Das Steuergeld für die geschätzten Einnahmen kann man dann auch gleich ans Finanzamt überweisen, selbst wenn man den Monat noch keinen Cent Einnahmen hatte. Dann muss man das Geld hald vorstrecken. Ommmmm …

Sollten die Einnahmen eine Weile ausbleiben und noch nicht genug Rücklagen angespart sein (wovon auch bei diesen enormen Ausgaben), dann droht schon die Insolvenz. Der Weg vom Tellerwäscher zum Bettler ist in Deutschland nicht weit. Vom Tellerwäscher zum Millionär ist es dafür fast unendlich weit.
Es gibt aber auch gute Nachrichten. Wer es wider Erwarten doch aus eigener Kraft in den Club der Millionäre oder gar der Milliardäre schaft, kann sich freuen. Für diese Gruppe ist die Abgabenlast überschaubar. So sollen auch die Treibstoffkosten für Luxus-Yachten und Privat-Jets von der CO2-Steuer befreit bleiben, welche die andere Bürger selbstverständlich in immer größeren Umfang bezahlen müssen. Yachtbesitzer zu besteuern, ist den verantwortlichen Behörden einfach zu viel bürokratischer Aufwand. Da fehlen einem die Worte …

Ommmmm …