Berichte

Frieren für den Frieden

Frieren für den Frieden. Mit diesem Slogan wollte man die Menschen in Deutschland zum Sparen von Gas animieren um Herrn Putin in die Knie zwingen, nachdem das russische Militär unter seiner Führung die Ukraine überfallen hat. Auch auf russisches Öl sollen wir verzichten. Die Idee dabei ist, dass man Russland die Einnahmequelle durch die Gas- und Öl-Exporte nehmen wollte, um die Finanzierung des Militärs zu verhindern.

Dass Russland das für das Gas und insbesondere für das Öl auch andere Abnehmer finden wird, hat man dabei nicht bedacht. Schon Ende Mai wurde bekannt, dass Indien (wie die Türkei) seine Ölkäufe aus Russland deutlich erhöht hat. Besonders absurd: Indien kauf das Öl billig in Russland ein und verkauft es dann teuer nach Europa weiter. Der Rubel rollt und wir zahlen die Zusatzkosten.
Noch bescheuerter verhält es sich beim Gas, denn die Grundlage der bisherigen deutsch-russischen Gaspartnerschaft sind häufig langfristige Verträge mit Laufzeiten zwischen zehn und 25 Jahren. Es handelt sich dabei um sogenannte Take-or-Pay-Verträge, das heißt, dass der Kunde für bestimmte festgelegte Liefermengen bezahlen muss, auch dann, wenn er das Gas nicht importiert. Der Zahlungspflicht kann man eigentlich nicht entgehen. Die verantwortlichen Politiker haben also im Prinzip gesagt: Lieber Herr Putin, wir werden dir jetzt so richtig eins auswischen. Du kannst dein Gas behalten und wir überweisen einfach weiterhin das Geld … aber nicht alles auf einmal ausgeben. Und möglichst nicht für Panzer und Bomben. Die Menschen in Deutschland können dann im Winter frieren, während wir ihr Steuergeld für die nächsten zehn Jahre oder länger nach Russland überweisen.
Die Bedingungen von Take-or-Pay-Klauseln in noch laufenden Gaslieferverträgen werden laut SPD-Bundestagsabgeordnete Peggy Schierenbeck gerade geprüft. Tja, was soll man dazu noch sagen? Wäre es nicht besser, solche Verträge zu prüfen, bevor man Maßnahmen beschließt, mit denen man sich möglicherweise nur selbst, beziehungsweise den eigenen Steuerzahlern ins Knie schießt? Aus moralischen Erwägungen heraus könnte man natürlich sagen, wir zahlen lieber für nichts, als weiterhin russisches Gas zu verheizen. Aber bei anderen Geschäftspartnern spielen moralische Bedenken ja auch keine Rolle. Die Kriegsverbrechen der USA hindern die deutschen Politiker zumindest nicht daran, weiterhin Gas und Öl zu hohen Preisen von dort zu beziehen. Und auch aus Ländern wie Saudi Arabien, in denen Menschenrechte kein großes Gewicht haben, kauft man gerne Öl ein. Moralische Bedenken können also nicht der Grund für ein Embargo gegen Russland sein. Wenn man diesen Maßstab anlegt, würde wohl der Welthandel zusammenbrechen.

Und nun kommt auch noch ein Robert Habeck mit einer raffinierten Idee um die Ecke: er will Gaskraftwerke im Notfall abschalten und Kohlekraftwerke reaktivieren. Dumm nur, das Gaskraftwerke einen völlig anderen Einsatzzweck als Kohlekraftwerke haben. Und so wie man einen Sportwagen nicht einfach durch einen Lastwagen ersetzen kann, kann man auch Gaskraftwerke nicht durch Kohlekraftwerke ersetzen. Dies zeigt ein Blick auf die drei Stufen für den Einsatz von Kraftwerken. Kohlekraftwerke sind schwerfällig und dienen der Deckung für Grund und Mittellast. Gaskraftwerke dienen hingegen dazu, Lastspitzen abzufangen. Dies wird mit einem Kohlekraftwerk nicht gelingen. Bis ein solches Kraftwerk hochgefahren ist, ist die die Last schon wieder vorüber.

Wenn die Lastspitzen aber nicht abgefangen werden können, weil nicht genug geeignete Kraftwerke verfügbar sind, dann kommt es zu einem Frequenzeinbruch. Auf diesen muss man dann mit einem sogenannten Lastabwurf reagieren. Verbraucher werden also einfach vom Netz getrennt. Dies führt zu sogenannten Brownouts. Würde man den Frequenzeinbruch nicht abfangen, dann droht unweigerlich ein umfassender weitreichender Stromausfall, ein Blackout. Ein Blackout lässt sich nicht mehr so einfach beenden. Hierfür sind sogenannte schwarzstartfähige Kraftwerke und ein gut durchdachtes Netzwiederaufbaukonzept notwendig. Kohlekraftwerke spielen dabei keine Rolle. Diese Kraftwerke sind nicht schwarzstartfähig. Der geniale Plan von Herrn Habeck führt also dazu, dass das Risiko für einen Blackout weiter ansteigt, während die Fähigkeit einen solchen Stromausfall zu beenden abnimmt.

Bei einem Stromausfall werden übrigens auch viele Solaranlagen auf de Hausdächern automatisch abgeschaltet, da diese häufig nicht inselfähig sind. Ein Großteil der stolzen Solaranlagenbesitzern wird also bei einem Blackout auch im dunklen sitzen. Wärmepumpen und Geothermie als alternative zum russischen Gas benötigen Strom. Wenn der Strom jedoch fehlt, weil die mit russischem Gas betriebenen Strom-Kraftwerke abgeschaltet wurden und das Netz deshalb zusammengebrochen ist, bleibt es auch bei den Besitzern solcher modernen Heizungen noch kalt in der Wohnung.
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