Berichte

Das Ende des Wachstums

Es gibt Menschen, deren Einkommen sich auf 10 Millionen Euro pro Stunde beläuft, ohne dass sie dafür arbeiten müssten. Von 10 Millionen Euro, die Ultrareiche pro Stunde an Kapital- und Spekulationsgewinnen erhalten, könnte man 100 bis 200 Menschen in Deutschland ein gutes Jahreseinkommen zusichern. Das heißt, dass es möglich ist in einer einzigen Stunde, das Geld ohne eigene Leistung zu erhalten, für das 100 bis 200 Menschen ein Jahr lang arbeiten müssten. Die Gewinne der Vermögenden müssen natürlich auch erarbeitet werden, nur eben nicht von demjenigen, der das Einkommen erhält, sondern von tausenden anderen Menschen, denen das Geld dann naheliegenderweise vom erarbeiteten Einkommen abgezogen wird.

Dadurch dass vorhandenes Vermögen im Rahmen des zinsbasierten Geldsystems ohne eigene Leistung weitere Vermögenseinkünfte begründet, wachsen die Vermögen automatisch immer mehr und so konzentriert sich irgendwann theoretisch das gesamte Vermögen in der Hand einer einzigen Person. Dieser Vorgang ist nicht überraschend, wird aber in den Medien kaum erwähnt, mittlerweile jedoch immer deutlicher sichtbar. Die Umverteilung entspricht den aktuellen Regeln, nach denen wir leben. Die Gewinne des einen sind natürlich die Verluste oder Schulden des anderen. Wenn sich die Gesellschaft darauf geeinigt hat, dass ein Mensch immer mehr und irgendwann alles besitzen kann, dann müssen wir uns auch im Klaren darüber sein, dass alle anderen Menschen nichts mehr haben können. Man kann nur das verteilen, was vorhanden ist. Wenn jemand den ganzen Kuchen alleine isst, dann ist unmittelbar ersichtlich, dass alle andere Gäste nichts abbekommen können.

Regeln sind natürlich nicht in Stein gemeißelt. Wie auch beispielsweise die Regeln in Straßenverkehr. Hier hat man sich auch darauf geeinigt, dass beispielsweise zum Schutz der Allgemeinheit in Wohngebieten nicht beliebig schnell gefahren werden darf. So könnte man sich auch darauf einigen, dass im Geldsystem Begrenzungen eingebaut werden, die die Umverteilung der Vermögen einschränkt. Es könnte durchaus sichergestellt werden, dass das Geld zirkuliert und der einzelne auch einen gewissen Wohlstand erarbeiten kann, so dass alle gut leben können. Mit zunehmendem Reichtum müsste es aber immer schwerer werden, noch reicher zu werden. Derzeit ist es umgekehrt. Wer wenig Vermögen hat, kommt kaum auf einen grünen Zweig. Wer bereits viel besitzt, kann sehr leicht immer reicher werden. Es ist leichter durch Kapitaleinsatz reicher zu werden, als durch die eigene Arbeitskraft. Ein Einkommen von einer Millionen Euro durch eigene Leistung wird niemand erzielen können. Niemand kann alleine so schnell und viel arbeiten, dass er Werte von einer Millionen Euro pro Stunde schaffen würde. Diese Einkommen kann man nur generieren, wenn man über die Arbeitskraft von tausenden anderen Menschen verfügen kann. Wer also genügend Kapital hat, sich die Arbeitskraft vieler Menschen zu kaufen, der kann solche Einkommen erzielen. Der einzelne Arbeiter kann seine Arbeitskraft und damit seinen Anspruch auf Einkommen nur sehr begrenzt steigern. Durch Kapitaleinsatz kann diese Begrenzung ausgehebelt und damit das Einkommen in unvorstellbare Größenordnungen skaliert werden. Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.

Auch wenn diese Logik den derzeit von Menschen gemachten Gesetzen entspricht, so widerspricht es doch den grundlegenden Naturgesetzen. Dies kann jeder beim Laufen oder Radfahren nachvollziehen. Je schneller man sich bewegt, um so schwerer wird es, noch schneller zu werden. Niemand wird mit dem Fahrrad oder gar zu Fuß Geschwindigkeiten von 200 Kilometern in der Stunde erreichen. Kein Baum wächst unendlich hoch und kein Apfel wird unbegrenzt groß.
Grenzenloses Wachstum ist in der Natur nicht möglich. Nur in mathematischen Konstrukten, wie dem Finanzsystem, kann es ein grenzenloses Wachstum geben. Aber im echten Leben können die Naturgesetze nicht überlistet werden und da das Geldsystem nicht nur ein mathematisches Gedankenspiel ist, sondern an die reale Ökonomie geknüpft ist, gelten hier letztendlich auch die Naturgesetze. Theoretisch kann also jemand durch Zins und Zinseszins unendlich reich werden. Praktisch ist dies aber nicht möglich, da das Vermögen unter Einsatz von Energie und Rohstoffen erwirtschaftet werden muss. Und da diese Ressourcen begrenzt sind, ist auch das daran geknüpfte Wachstum automatisch begrenzt. Wenn die Menschheit diesen Zusammenhang nicht durch logisches Denken herleiten kann oder will und es einzelnen Mitgliedern der Gesellschaft gestattet ist, immer mehr Geld zu horten, dann werden wir irgendwann durch die Natur auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.

So wie wir uns auf eine Straßenverkehrsordnung und tausende andere Gesetze einigen konnten, die das dauerhafte friedliche und harmonische Zusammenleben sicherstellen sollen, könnte man auch das Geldsystem reformieren und nachhaltig gestalten. Es ist aber zu beobachten, dass die irrsinnige Umverteilung stattdessen durch immer neue Tricks (Eurobonds, …) sichergestellt und legitimiert wird. Wir können also davon ausgehen, dass es kein politisches Interesse an einem Wandel gibt. Wir werden die Grenzen des Wachstums also früher oder später auf die harte Tour kennen lernen. Und vermutlich werden sogar daraus die jetzigen Gewinner wieder als Gewinner hervorgehen, während die übrigen Menschen, die jetzt schon zu den Verlierern Zählen, ganz besonders schwer getroffen werden.