Tunesien, ein Land voller Gegensätze

Im Herzen des Mittelmeerraumes liegt Tunesien, ein Land, das viel zu bieten hat, bekannt ist für seine Gastfreundschaft und seinen kulturellen Reichtum. Freuen Sie sich auf viele schöne Erlebnisse und Erinnerungen, die Sie mit nach Hause nehmen.

Quelle: Reisebroschüre „meeting point Tunesia“

Tunis, die Hauptstadt von Tunesien
Tunis, die Hauptstadt von Tunesien
Tunesien, das Land des kulturellen Reichtums und der Gastfreundschaft. So klingt die Einleitung in einer Reisebroschüre. Und in der Tat ist die Kultur vielseitig. Zudem unterscheiden sich die Tunesier in ihrem Aussehen und im Kulturleben von anderen arabischen Nationen in Folge mehrerer Einwanderungswellen aus Arabien, Spanien, Frankreich, der Türkei und den westafrikanischen Berber-Reichen.
Dies zeigt sich auch im Stadtbild von Tunis (zum Beispiel auf dem Place de Barcelone oder im maurisch-andalusischen Viertel Sidi Bou Saïd), in der Töpferei- und Keramikkunst (zum Beispiel in Nabeul), an zahlreichen Bauten verschiedener Epochen (zum Beispiel dem Fort am Golf von Hammamet) und in der tunesischen Küche (zum Beispiel Baguette, Käse, Croissant, „Makkarona“ sowie einigen Berbergerichten wie zum Beispiel Brik).[1]
Die große Mehrheit der Tunesier (98 %) identifiziert sich kulturell mit den Arabern, wenngleich Studien belegen, dass sie aus ethnischer Sicht den Berbern und auch den Iberern näher stehen, während der genetische Anteil der Araber, die die Region im 7. und 8. Jahrhundert besiedelten, geringer ausfällt.[1]


Kultureller Reichtum … finanzielle Armut


Die Tunesier sind häufig freundlich, aufgeschlossen und gut gelaunt – trotz der Armut, in der viele leben. Aber in Folge der Armut, gibt es auch Schattenseiten in diesem afrikanischen Land an der Mittelmeerküste.

Das Durchschnittseinkommen in Tunesien beläuft sich 2011 auf 4.070 US-Dollar im Jahr also etwa 339 US-Dollar pro Monat. Dabei setzt das Land vor allem auf den Agrarsektor, die Förderung von Erdgas und Phosphaten und den Tourismus.[2] Das Durchschnittseinkommen beträgt in Deutschland zum Vergleich etwa 30.000 Euro brutto pro Jahr (41.700 Dollar bei einem durchschnittlichen Wechselkurs von 1:1,39) also etwa 2.500 Euro brutto pro Monat (3.475 Dollar).[3][4]

Die Arbeitslosenquote ist in Tunesien mit über 14 Prozent Prozent recht hoch und die Handelsbilanz Tunesiens ist negativ: Das Land importiert mehr, als es exportiert. Einigermaßen ausgeglichen wird das Defizit durch den Tourismus und die Zahlungen der im Ausland lebenden Tunesier an die zu Hause gebliebenen Verwandten. Das verbleibende Leistungsbilanzdefizit wird durch Direktinvestitionen aus dem Ausland gestopft, die größtenteils in die Infrastruktur und den Textilsektor flossen.[1]
Nichtsdestotrotz ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit 20 Jahren stetig gestiegen, was durch die politische Stabilität und Kontinuität im Land möglich wurde. Tunesien wird deshalb von der OECD als Schwellenland eingestuft und gilt als wettbewerbsfähigstes Land Afrikas.[1]


Durch den Tourismus kann der kulturelle Reichtum genutzt werden, die finanzielle Armut zu lindern


Charakteristisch für die tunesische Wirtschaft ist die hohe Ausrichtung an Europa, sowohl was den Außenhandel, als auch was die Tourismusbranche betrifft. Wie wichtig der Tourismus für das Land ist, zeigt sich recht schnell, wenn man über die Autobahn und die Landstraßen vom Flughafen Enfidha zu den Hotelanlagen in Hammamet-Yasmine und weiter über die Autobahn in die Hauptstadt Tunis fährt (was schon ein Abenteuer ist, denn Verkehrsregeln dienen in Tunesien nur der groben Orientierung und die Hupe ist das wichtigste Bauteil am Fahrzeug). Während die großen Hotelanlagen prunkvoll die Strandpromenaden flankieren und auch die touristisch relevanten Stadtteile schön hergerichtet sind, sind die meisten Häuser der Einheimischen zu großen Teilen Bauruinen. Sehr viele der Wohnhäuser befinden sich im Rohbau-Stadium. Dies liegt vor allem daran, dass in Tunesien immer nur so weit gebaut wird, wie das Geld reicht … und das ist nicht sehr weit. So ist es durchaus möglich, dass an einem Haus 20 Jahre oder länger gebaut wird. Die Aufnahme eines Kredites, wie es in Deutschland üblich ist, können sich aufgrund der hohen Zinsen nur die wenigsten leisten, zumal man ja auch nie weiß, wie die Einkommenssituation in einigen Jahren aussehen wird und ob man den Kredit dann noch zurückbezahlen kann. Staatliche Hilfen gibt es im Falle der Arbeitslosigkeit nicht.

Durch die Urlauber, die zu großen Teilen aus Europa und zunehmend aus Russland kommen, fließt dringend benötigtes Geld nach Tunesien – in touristisch attraktive Gebiete.
Hotelanlagen und Touristengebiete in Hammamet-Yasmine:

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Das touristisch relevante Dorf Sidi Bou Saïd:

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Die normale Bevölkerung profitiert von diesem Geldsegen häufig nicht. Wohngebiete und Infrastruktur sind häufig in marodem Zustand.

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In Tunesien treffen zwei Welten aufeinander.


Im Hotel herrscht Wohlstand und die Menschen unterschiedlichster Herkunft leben friedlich zusammen


In den Hotels für Touristen ist der Umgangston freundlich und respektvoll und Luxus und Überfluss beherrschen das Bild. Es spielt keine Rolle, ob man aus Frankreich, Deutschland, Russland, der Türkei oder irgend einem anderen Land kommt. Jeder wird von den Hotelangestellten höflich behandelt und auch die Atmosphäre zwischen den Gästen ist entspannt und freundlich. Bedenkt man, wie in den Medien ständig von Sanktionen und Kriegen zwischen den Völkern berichtet wird (der Westen, also die USA und Europa, gegen Russland; der nahe Osten als Ursprung des weltweiten Terrors; …), ist es schon etwas verwunderlich, wenn man auf einem fremden Kontinent so viele freundliche Menschen unterschiedlichster Herkunft trifft. Dies zeigt deutlich, dass es den Zwist zwischen den Menschen nicht gibt, den die Medien permanent propagandieren. Viel mehr stecken hinter diesen angeblichen Rivalitäten handfeste militärische und wirtschaftliche Interessen der herrschenden Klasse.
Während die deutschen Politiker ständig neue Sanktionen gegen das angeblich so schlimme Russland verhängen möchten, bieten die russischen Gäste im Hotel den deutschen Gästen Brot und Wein an. Unterhalten wird sich in englisch, französisch, deutsch oder welche Sprache auch immer alle am Gespräch beteiligten gerade am besten verstehen. Auch die Verbundenheit zu unterschiedlichsten Glaubensrichtungen stört das Zusammenleben nicht. Während die Zeitung „Die Welt“ in einem Kommentar zum Burkini (ein zweiteiliger Schwimmanzug für muslimische Frauen) abwertend schreibt „Der Burkini ist einfach eine große Peinlichkeit„, störte sich am Pool des Hotels niemand an der Badekleidung anderer Gäste. Da kam es dann auch vor, dass eine mit einem Ganzkörperbadeanzug bekleidete muslimische Frau, eine Frau in knappem Bikini darum bittet, ein Foto von ihr und ihrer Familie zu machen. Jeder trug die Badebekleidung, die ihm selbst zusagte und respektierte die Kleidungsvorstellungen des anderen. Abfällige Bemerkungen gab es keine.
Wenn man nur die Nachrichten und das durch die Medien verzerrte Weltbild kennt, kann man sich garnicht vorstellen, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft so friedlich zusammenleben können. Den Medien nach sind Frauen in Burkini fanatisch und Männer mit Vollbart und Turban Terroristen.

Das Bild von den Menschen, dass man im Hotel erhält ist allerdings auch etwas verzerrt und entspricht nicht der heutigen Realität vom Zusammenleben der Völker. Einen solch freundlichen Umgang trifft man nur dort an, wo es den Menschen gut geht. Freundlichkeit muss man sich leisten können. Wer ums Überleben kämpft, wird zu allen Mitteln greifen, um Geld für ein Abendessen zu bekommen, auch solche, die nicht rechtschaffend sind.

Abendessen
Das Leben im Hotel war nicht nur geprägt von Freundlichkeit, sondern leider auch von der Dekadenz des Überflusses. Während viele Menschen in Afrika verhungern, gab es im Hotel einzelne Gäste, die sich am Buffet bergeweise Essen auf die Teller geladen und erst einmal mehrere Teller zum Tisch getragen haben. Nachdem sie vom ersten Teller ein paar Bissen gegessen hatten, stellten sie ihn zur Seite, nahmen sich den nächsten Teller und bedeuteten dem Kellern, dass er den ersten (noch gut gefüllten) Teller nun abräumen möge. Das ging eine ganze Weile so und der Kellner war damit beschäftigt, tellerweise Essen wegzuräumen und in den Müll zu werfen, während seine Landsleute hungern. Schließlich waren die Gäste fertig und verließen den Tisch (der einem Schlachtfeld glich). Die Gläser waren noch halb gefüllt und auf den Dessert-Tellern war noch so viel Kuchen und Gebäck, dass davon noch mehrere Menschen hätten essen können.
Dies war ein besonders extremes Beispiel von Dekadenz und Überheblichkeit. Die meisten Gäste waren eher zurückhaltend und nahmen nur, was sie auch aßen und tranken. Bedenkt man aber, dass viele Afrikaner von einem Schälchen Reis am Tag leben müssen, ist natürlich jedes Essen am Buffet ein großer Luxus und nur den Menschen möglich, die ein entsprechendes Vermögen haben, um sich diese Welt des Genusses leisten zu können. Wer hier Urlaub macht, wird sich um seine Existenz wenig Gedanken machen müssen. Keiner der Hotelgäste wird unmittelbar von Hunger und Armut betroffen sein. Für die Hotelgäste ist es also nicht schwer, andere Urlaubsgäste höflich zu behandeln (abgesehen von den wenigen Menschen, denen jeglicher Anstand abhanden gekommen ist).


Außerhalb der Hotels herrscht Armut und die Menschen versuchen zu überleben


Sobald Menschen aber um ihr Überleben kämpfen müssen, ist kein Platz mehr für Höflichkeiten und auch die Friedfertigkeit wird verloren gehen.

Leider ist dies allzuhäufig der Fall, den Armut ist in der heutigen Welt eher die Regel als die Ausnahme. Das liegt jedoch nicht daran, dass nicht genug für alle vorhanden wäre, sondern daran, dass die Waren ungleichmäßig verteilt sind. Während die einen so viel Essen haben, dass sie tellerweise Lebensmittel wegwerfen, haben die Menschen nebenan zu wenig zu essen und müssen hungern. Wie die Waren verteilt sind, richtet sich nach der Verteilung des Geldes. Wo viel Geld ist, gibt es viele Waren.
Das Finanzsystem sorgt dafür, dass sehr viele Menschen automatisch sehr arm werden, während gleichzeitig sehr wenige Menschen automatisch sehr reich werden. Die Umverteilung durch Zins und Zinseszins ist die treibende Kraft dahinter. Durch die Zinsen werden die Geldvermögen von den arbeitenden armen Menschen immer schneller zu den ohnehin schon reichen nicht arbeitenden Menschen geleitet, so dass die Ungleichverteilung immer gravierender wird. Die Reichen werden Reicher, die Mittelschicht verarmt und die Armen werden noch ärmer und vor allem werden sie immer verschuldeter.


Luxusvillen und Slums


Die Auswirkungen der sogenannten „Schere zwischen Arm und Reich“ werden in den Küstenregionen Tunesiens besonders deutlich. An den Küsten gibt es prachtvolle Hotelanlagen, die vom Wohlstand der Touristen aus fernen Ländern profitieren. Nebenan wohnen sehr reiche Menschen in Luxusvillen und blicken auf den Hafenanlagen für ihre Motor- und Segelyachten. Und nicht weit entfernt leben die Einheimischen in Bruchbuden, deren Stundenlohn bei umgerechnet einem Euro liegt und die sich wohl niemals eine Reise in ein fremdes Land leisten können, egal wie viel sie schuften.
Da ist es dann kein Wunder, wenn die in den Touristengebieten lebenden Tunesier alles versuchen, sich ein Teil des Wohlstandes zu sichern, den die Urlauber mitbringen. Einige Tunesier können in der Tourismus-Industrie arbeiten und erhalten hier ein vergleichsweise gutes Einkommen, vor allem auch der Trinkgelder wegen. Sie arbeiten dafür aber auch lange und hart und haben nur wenig Freizeit.


Händler und Betrüger


Schmuckverkäufer am Strand
Andere Tunesier haben keine Möglichkeit, im Hotel- oder Gastronomie-Gewerbe zu arbeiten und versuchen anderweitig, an das Geld zu kommen, das die Touristen ins Land bringen. Viele Tunesier verdingen sich als Händler und versuchen, den Touristen ihre Souveniers, Stoffe oder Obst zu verkaufen. Die meisten Verkäufer sind recht freundlich. Allerdings sind sie auch sehr aufdringlich und hartnäckig. Zudem sollten sie nicht unterschätzt werden, da sie einige psychologische Tricks anwenden, um ihre Waren zu verkaufen. Außerdem gibt es in den Touristengebieten sehr sehr viele Verkäufer.

Wenn man das Hotel verlässt, um die Straße zwischen Hotel und Strand zu überqueren, steht (etwas überspitzt formuliert) mitunter schon ein Taxi bereit und der Fahrer möchte dem Touristen eine Fahrt verkaufen. Das Taximeter wird nicht unbedingt eingeschaltet und der Tourist muss damit rechnen Fantasiepreise zu bezahlen, die der Taxifahrer sich ausdenkt. Hat man das Taxi abgelehnt, hat man noch die Möglichkeit in einer Pferdekutsche durch die Straßen zu fahren, die ebenfalls bereits wartet.
Auf der anderen Straßenseite angekommen, wird man direkt von einem Tonwaren-Händler angesprochen. Mit schmeichelhaften Worten und einem kleinen „Geschenk“ versucht er mit den Touristen in Kontakt zu kommen und in Kontakt zu bleiben. Wenn man das Geschenk annimmt, erwartet er aber ein „Gegengeschenk“, also dass man bei Ihm etwas kauft.
Am Strand kommt dann noch ein Tuchwaren-Händler vorbei, der sich ebenfalls nicht schnell abwimmeln lässt.
Als nächstes kommt ein Schmuckwaren-Händler angelaufen. Die Aussage, dass man keinen Schmuck kaufen möchte, übergeht er geschickt versichert, dass er ja nur reden möchte. Wenn man nicht darauf eingeht, wird er fragen, warum man denn nicht mit ihm reden will. Ignorieren ist schwer möglich und jede Antwort, die man dem Händler gibt, wird er nutzen, doch noch die ein oder andere Kette oder einen Armreif zu verkaufen.
Und natürlich gibt es da noch die Obst-Verkäufer. Die haben üblicherweise auch gleich eine Schildkröte dabei, welche ihnen dazu dient, mit den Touristen ins Gespräch zu kommen. Wenn man am Strand liegt, hat man ganz schnell eine Schildkröte auf der Hand sitzen und einen Korb Obst vor sich stehen. Daneben ein Verkäufer, der dem Urlauber anbietet, ein Foto von ihm und der Schildkröte zu machen. Zum Dank soll man dann aber auch die ein oder anderen Frucht aus seinem Korb kaufen. Das kann dann schnell sehr teuer werden, wie hier berichtet wird.

Finger weg von den netten Obsthändlern am Strand. Die haben ne Schildkröte und nen Leguan bei und machen damit nen Foto von euch. Aus Dank kauft ihr dann ein bisschen Obst und der sagt, daß kostet 20 €. Ist der Standartpreis. Hab ihm 5€ hingehalten. er wollte dann 10 und wollte noch mehr Obsteinpacken. Mußte mich echt zusammenreissen. Hab ihm dann klar gemacht, daß es besser ist die 5€ zu nehmen und weiterzugehen. Das hat er auch begriffen und war sehr schnell weg. Legt euch nicht direkt auf die Liegen am Wasser. Eine oder zwei Reihen weiter hinten nerven die Verkäufer, Kamel oder Pferdereitanbieter nicht so. Und die kommen echt im Minutentakt. Nervt ohne Ende.[5]

Quelle: Benutzerkommentar bei HolidayCheck.de

Sollte man ein Stück am Strand spazieren gehen, begegnet man dann noch einem Händler, der Pferdeausritte am Strand anbietet und danach einem Händler, der Kamelausritte am Strand anbietet.

So geht das den ganzen Tag …

Ähnlich ist es auch abseits der Strände in den Touristenvierteln der Städte, wie etwa Sidi Bou Saïd. Es ist kaum möglich, an einem Laden oder einem Verkaufsstand vorbeizugehen, ohne vom Verkäufer angesprochen und zu seinen Waren geführt zu werden.

Begrüßt werden die Besucher [in Sidi Bou Saïd] mit Blumen die verschenkt werden, um im nächsten Moment ein Gegengeschenk zu fordern. Häufig wird auch die gegebene Geldsumme kritisiert und mehr gefordert. Es ist sinnvoll gleich eine Blume zu kaufen, als eine Art Eintrittskarte in das Dorf, um von weiteren Blumenhändlern nicht mehr belästigt zu werden.
Wenn man sich mit einem Greifvogel fotografieren lässt, muss man damit rechnen, dass der Vogelbesitzer ein anständiges Trinkgeld dafür haben möchte. Am Besten vorher darüber reden.[6] Quelle: wiki voyage

Laden in der Medina in Tunis
Laden in der Medina in Tunis
Rechnungen gibt es üblicherweise nicht und damit natürlich auch keine Umtausch- oder Rückgabemöglichkeit. Festpreise gibt es gewöhnlich auch nicht. Die Kosten erfährt der Kunde erst, wenn er die Ware gewählt hat und bezahlen möchte. Und die Preise sind normalerweise unverschämt hoch. Hier wird vom Händler erwartet, dass man handelt. Handeln gehört einfach dazu und macht außerdem Spaß, wie der Fremdenführer bei einer Städtereise versicherte.

Ich muss zugeben, dass ich von der Vielzahl der Händler und vor allem von deren Aufdringlichkeit mit der Zeit sehr genervt war. Allerdings kann ich die Händler auch verstehen, da sie darauf angewiesen sind, den Touristen ihre Waren zu verkaufen. Ihr Verhalten ist keine Böswilligkeit, sondern entsteht aus der Not heraus.

Eine ganz perfide Masche einiger tunesischer Verkäufer ist es, die Touristen auf der Straße von einem Komplizen ansprechen zu lassen, der sich als Koch des Hotels vorstellt. „Haben Sie mich nicht erkannt? Ich bin der Koch des Hotels, in dem Sie wohnen. Ich habe Sie an dem Ring wiedererkannt.“ Nach weiteren vertrauensbildenden Floskeln und vermeintlich hilfreichen Hinweisen erklärt er dann, dass er einen Geheimtipp hat, den er aber verrät, weil man ihm so sympathisch ist: eine angeblich staatlicher Laden, der eigentlich nur andere Händler beliefert und in dem man nur zwei Tage im Monat als normaler Kunde direkt einkaufen kann – und das zu unglaublich günstigen Preisen. Zufällig ist heute der letzte dieser beiden Tage für den Monat und der Laden hat auch nur noch eine Stunde offen.
Der „Koch“ steuert dann die „Neuen Medina“, ein künstlicher Abklatsch der original Medina in Hammamet mit ihrer über 800 Jahren alten Stadtmauer an. Während er voraus rennt, um die Touristen dann zu diesem besonderen Laden führt, erzählt er von dieser historischen der echten Medina Mauer, die es hier aber ja überhaupt nicht gibt. Er läuft schnell und man muss sich beeilen, hinterher zu kommen und gleichzeitig noch weitere Verkäufer in diesem künstlichen Ladengebiet abwimmeln, die den arglosen Touristen ebenfalls Produkte verkaufen wollen.
Trinkgeld nimmt er nicht. Angeblich, weil er den Tipp ja freiwillig gibt. Die Idee dahinter ist natürlich, dass er dadurch sympathischer und authentischer wirkt. Wenn aber ein Tunesier kein Trinkgeld annimmt, dann kann man sicher sein, dass er dies nur tut, wenn er sich dadurch später ein vielfaches des Geldes verspricht. Ich habe sonst niemanden in Tunesien getroffen, der einem Trinkgeld abgeneigt gewesen wäre. Spätestens hier sollte man also misstrauisch werden.

Laden in der Neuen Medina in Hammamet
Laden in der „Neuen Medina“ in Hammamet
Im Laden angekommen wird man dann herzlich vom Verkäufer empfangen, der darauf besteht, ein Begrüßungs-Getränk ausgeben zu dürfen. Wenn man ablehnt, erklärt er, dass dies eine Beleidigung des Gastgebers sei. Natürlich gehört das Getränk zum Plan. Wenn man etwas erhalten hat, fühlt man sich verpflichtet, etwas zurückzugeben, beziehungsweise ein Produkt im Laden zu kaufen. Der „Koch“ verabschiedet sich derweil, er angeblich nur noch kurz Pause hat, bevor er das Abendessen machen müsste. Die Zeit wolle er nutzen, um sich noch etwas auszuruhen.
Nun redet sich der Verkäufer in Form und versucht den halben Laden zu verkaufen. Man solle am besten gleich mehrere Hemden, Schuhen oder Unterhosen kaufen, weil er dann ganz besonders hohe Rabatte geben kann. Außerdem fallen gewisse Kosten nicht an, weil es sich ja angeblich um ein staatliches Geschäft handelt. Natürlich kann man auch gleich Kleidungsstücke für seine Familie, Verwandte und Freunde mitnehmen. Preise sind keine Ausgeschrieben und der Verkäufer nennt auch auf Nachfrage keinen Preis. Stattdessen weist er darauf hin, dass der Preis davon abhängig ist wie viel man kauft. Er berechnet die Kosten dann und wenn man mit dem Ergebnis nicht einverstanden ist, könne man die Produkte ja da lassen. Dann muss man kein Geld ausgeben und er behält seine Waren. Bezahlen muss man übrigens nicht in Bar. Es kann auch elektronisch oder später im Hotel bezahlt werden. Hier wird dem Kunden also nicht nur das Geld abgenommen, dass er dabei hat, sondern auch gleich noch viel mehr.
Wenn man dann mit mehreren Bekleidungsstücken an der Kasse steht, nimmt der Verkäufer erst mal einen Zettel und frag nach den Namen. Diesen notiert er dann und schreibt noch die arabische Variante dazu. Diesen könne man gegen einen kleinen Aufpreis zum Textil-Einkauf in einen Armreif gravieren lassen. Die arabische Schrift auf die Vorderseite und auf Wunsch auch die lateinische Schrift auf die Rückseite. Oder man nimmt gleich zwei Armreife. Einen für sich selbst und einen für den Ehepartner mit beiden Namen in allen möglichen Kombinationen.
Dann nimmt er einen Taschenrechner und rechnet vor, dass die drei Hemden (die in Deutschland beim Textil-Discounter zusammen keine 30 Euro kosten würden) und der Armreif ansonsten bei ihm 400 Dinar kosten, da aber heute alles günstig ist und man ja auch mehrere Teile kauft, kann er einen Sonderpreis machen: 200 Dinar. Das sind knapp 100 Euro! Gekauft wird per Handschlag, einen Kassenzettel oder gar eine Rechnung gibt es natürlich nicht. Keine Garantie, keine Umtauschmöglichkeiten. Aber alles angeblich Markenware.
Wenn das mal kein toller Geheimtipp vom „Koch“ ist. Gut dass man ihn getroffen hat und hierher geführt wurde. Wer möchte nicht 100 Euro für einen Armreif und drei billig produzierte Hemden, die man in Deutschland für wenig Geld nachgeworfen bekommt, ausgeben?
Am nächsten Tag trifft man dann in der Nähe eines anderen Einkaufszentrums wieder einen Mann, der sich als Koch des Hotels vorstellt und bei der Abreise am Flughafen berichten auch andere Touristen von angeblichen Angestellten aus ihrem Hotel, von denen sie auf der Straße angesprochen wurden …


Wenn die Urlauber ausbleiben, fehlen die potentiellen Kunden


Viele Menschen in Tunesien sind darauf angewiesen, etwas von dem Geld abzubekommen, dass die Touristen in Tunesien ausgeben. Ob es sich die aufdringliche Art aber auf längere Sicht gewinnbringend erweist, muss sich zeigen. Zumal der Tourismus in Zukunft vermutlich zurückgehen wird. Die bereits erwähnte Schere zwischen Arm und Reich wird immer weiter auseinandergehen, schließlich wird auch weiterhin das Geld zu den Netto-Zinsgewinnern umverteilt. Die Mittelschicht bricht zunehmend weg. Die Folgen werden auch in Tunesien sichtbar: Während sich die Freizeitparkbetreiber, beispielsweise in Deutschland über steigende Besucherzahlen freuen, beklagen sich die tunesischen Händler am Strand, dass immer weniger Touristen kommen. Ein großer Anteil am Einbruch im Tourismussektor Tunesiens ist zwar der instabilen politischen Situation zuzuschreiben, aber es ist auch so, dass sich immer weniger Menschen einen Urlaub leisten können. Einige fahren dann zum Ausgleich in einen Freizeitpark. Den Händlern in Tunesien fehlen dann die potentiellen Kunden.


Verschanzen im Hotel


Andreas Popp von der Wissensmanufaktur sagte einmal sinngemäß, dass es den armen Menschen nicht gut geht, weil sie in den Slums gefangen sind, schließlich haben sie zu wenig Geld haben, um diese zu verlassen. Aber den Reichen geht es auch nicht besser. Aus sie sind gefangen. Sie sind gefangen in ihren Villen hinter hohen Mauern und können ihr Anwesen nur im Helikopter verlassen und die Kinder nur in gepanzerten Limousinen zur Schule bringen, um sie vor Entführungen zu schützen.

Für uns, die wir nicht wirklich reich sind, ist es kaum vorstellbar, auf dem eigenen Grund gefangen zu sein. Wir können ohne Personenschutz ein Eis essen gehen oder einen Radausflug machen. Wir können uns frei bewegen und müssen auch keine Sorge haben, entführt zu werden.
Ein Urlaub in Tunesien lässt aber erahnen, wie sich die wirklich reichen Menschen fühlen, die gefangen in ihren Villen sind.
Für einen Tunesier erscheint auch ein „normalverdienender“ Mitteleuropäer unvorstellbar reich zu sein, weshalb die Urlauber von aufdringlichen Verkäufern und Betrügern belagert werden, sobald sie das Hotel verlassen. In der Nähe des Hotels und auf dem zum Hotel gehörenden Strand haben (ähnlich den Personenschützern der Reichen) noch die Mitarbeiter des Wachpersonals ein Auge auf die Besucher und greifen ein, wenn Verkäufer zu aufdringlich werden. Ansonsten ist man den Händler aber weitgehend ausgeliefert. Möchte man sicher vor den Verkäufern sein, muss man den Urlaub auf dem Hotelgelände verbringen. Es mag dort schön sein, schließlich kann man auch im Garten des Hotels unter Palmen am Pool liegen und einen Drink an der Bar genießen. Innerhalb der Mauern der Hotelanlage findet man eine heile luxuriöse Welt vor. Aber man ist auch in gewisser Weise hier gefangen. Etwas abseits des Hotels bestimmen vermüllte Straßen und Bauruinen das Stadtbild. Am Strand und der Uferpromenade lauern die Händler den Touristen auf.


Gefangen in der Villa


Während man als Tourist nur jedoch befürchten muss, von Straßenhändlern zum Kauf von unnötigen Kitsch überredet oder betrogen zu werden, müssen die wirklich reichen Menschen um ihr Leben fürchten. Touristen können sich im Hotel verschanzen, um der Konfrontation mit den Händlern zu entgehen. Die reichen Menschen müssen sich in ihrem Haus verschanzen, um nicht entführt, ausgeraubt oder ermordet zu werden. Die einen sind gefangen im Hotel. Die anderen sind gefangen in ihrer Villa.

Armenviertel und Villeninsel in Hammamet
Armenviertel und Villeninsel in Hammamet
Deutlich zu sehen ist dies auch in Hammamet, im Stadtteil Yasmine. Dort gibt es eine kleine Insel mit Yachthafen. Während die meisten menschen in der Stadt eher arm sind, leben auf der Insel vermögende Menschen. Da wundert es nicht, dass die teuren Boote mit hohen Zäunen gesichert werden und die einzige Brücke zur Insel durch einen Wachposten gesichert ist. Die Reichen müssen sich hinter Zäunen, Wassergräben und Toren vor den armen Menschen schützen. Sie sind in ihren Luxus-Wohnungen ebenso gefangen, wie die armen Menschen in ihren Bruchbuden gefangen sind.


Literaturverzeichnis:
[2]
Durchschnittseinkommen in Tunesien (2011); Durchschnittseinkommen.net; http://durchschnittseinkommen.net/durchschnittseinkommen-tunesien/; 25.11.2013
[3]
Durchschnittseinkommen in Deutschland (2011); Durchschnittseinkommen.net; http://durchschnittseinkommen.net/durchschnittseinkommen-in-deutschland/; 23.12.2013
[4]
Average Exchange Rates; OANDA; http://www.oanda.com/currency/average